Liebe kann nicht getötet werden
Furios bebildert Luc Besson nach Bram Stokers Dracula-Story das Thema Liebe als einem phänomenalen Wahnsinn, als einer irren Illusion, als etwas, was nicht sterben kann, als ein Ewiges, Resistentes gegen die Weltläufte. Ein radikaler Entwurf des Modells der unsterblichen Liebe. Er nennt den Film im Original auch, wie zur Erklärung, a Love Tale, eine Liebesgeschichte.
Als eine Liebesgeschichte, eine ganz heiße Liebe mit innigen Close-Ups von Vlad (der herrliche Caleb Landry Jones mit seiner kranken Stimme und der Blasiertheit im Gestus) mit Elisabeta (Zoe Bleu) lässt Besson den Film anfangen und macht klar, diesem Mann ist die Liebe alles, ihm können stattdessen Politik und Krieg und Kirche gestohlen bleiben.
Da Vlad gerade von Muslimen belagert wird, muss er in die Schlacht ziehen, ja er muss förmlich dorthin gezerrt werden. Im Kopf hat er nur die Sicherheit von Zoe. Diese Bilder zeigen, Besson sieht immer den komischen oder auch den absurden Aspekt von solchen Handlungen.
Die bildmächtige Schlacht, wohl in Finnland gedreht, aber der Teil des Filmes spielt 1480 in Osteuropa, gewinnt Vlad. Elisabeta kann mit Begleitern entkommen. Die Gruppe gerät in einen Hinterhalt. Elisabeta reitet mit wehendem Schleier rasend über die verschneite Gegend davon. Dann geraten ihre Verfolger und sie selber in perfide Tierfallen.
Wie Vlad Elisabeta nach erfolgreicher Schlacht endlich findet, ist sie tot. Aus Wut über die halbseidenen Worte des Popen ersticht er diesen brutal.
Der Film macht einen Sprung vierhundert Jahre vorwärts ins Paris von 100 Jahre französische Revolution und Weltausstellung. Hier sind Kirche (mit Christoph Waltz als Repräsentant) und Psychiatrie mit einem seltsamen Phänomen beschäftigt, mit Maria (Matilda De Angelis). Sie wird in Ketten gefangen gehalten.
Gleichzeitig ist Jonathan (Ewens Abid) auf dem Weg von Paris nach Osteuropa zum Schloss von Dracula. Es geht um ein Grundbesitzgeschäft in Paris. Er trägt ein Bild bei sich, das Dracula an Elisabeta erinnert (die Darstellerin ist dieselbe). Dracula ist jetzt mit einer Megamaske schauderlich auf Jenseits-von-tot-und-lebendig versehen. Er macht sich auf die Reise nach Italien, dann Paris.
An den Hofgefilden von Florenz und Versailles ergeht sich Luc Besson in opulenter Schilderung von Bällen als Ausdruck höfischer Liebe. Aber Dracula wird nicht fündig. Es gibt Accessoires, die je eine eigene kleine Geschichte haben, eine metallene, mechanische Spieluhr und ein ganz speziell betörendes Parfüm, das seine Wirkung nicht verfehlt oder die Wasserspeier und deren überraschende Interpretation. Dracula wird Elisabeta wieder finden, sie wird ihn lieben und die Kirche als Liebestöter hat kein Mittel dagegen, denn diese Liebe ist unsterblich.