Ping Pong Paradise

Vor lauter Werbewapperln

den Film nicht sehen, das ist ein Kunststück, was dieser doppelte Werbefilm fertig bringt.

Werbefilm einmal für die randständige Sportart Tischtennis und im speziellen für einen gesponserten Club aus Neu-Ulm, Werbefilm aber auch auf die unangenehme Weise, unter der Sportdokus allzu häufig leiden, unter der Aufdringlichkeit von allerorten platzierten Werbewapperln marktschreierischer Sponsoren.

Das scheint beim Tischtennis besonders extrem oder der Nachwuchsfilmemacher von der HFF, Jonas Egert, ward nicht darauf sensibilisiert, auch nicht von seinem Mentor Jörg Adolph und weiteren im Abspann genannten Projektbetreuern von der HFF.

Die scheinen, so lässt es der Film zumindest vermuten, ein Votum abgeben zu wollen für einen Adabei- oder Mäuschendokumentarismus, ein Dokumentarismus, der sich selbst unsichtbar macht und dabei sein darf im Dunstkreis von Stars und Protagonisten der Filme, das sind hier Stars des Weltspitzentennis aus Russland, Skandinavien, Asien.

Es ist ein Dokumentarismus, der beim Training dabei ist, der einen Ausflug nach Lissabon oder Skandinavien (nach Asien hat das Geld wohl nicht gereicht) mitmacht oder zu Tainingseinheiten nach Düsseldorf, der sich in stickigen Sporthallen rumtreibt, in Garderoben, auf Zuschauerrängen aufhält, vor allem aber in Neu-Ulm, dem zentralen Ort, einer Ortschaft, deren Ruf unter islamistischen Extremisten gelitten hat, und den der Sponsor mit Weltklasse-Tischtennis offenbar aufpolieren will; dazu ist so ein Dokumentarfilm höchst willkommen.

Es ist also vielleicht auch ein Image-Dokumentarismus, der hier betrieben wird, garantiert kein kritischer oder Recherche- oder Durchleuchtdokumentarismus, der nach Hintergründen und Strukturen fragt, nach den Folgen des Spitzensportes für das Individuum, auch von Zahlen ist nur wenig die Rede, noch weniger vom Denken des Initianten und Hauptsponsors. Es gibt eine Geschichte, die wird im Anspann erklärt:

„TTC Neu-Ulm, 2019 gegründet und mit Wild Card in Bundesliga und Champions League.
2022 werde die drei jungen Russen wegen Ukraine-Krieg gesperrt und von der Champions League ausgeschlossen. Verein verpflichtet vier internationale Stars aus den Top-10 der Welt. Ziel: Gewinn Deutscher Pokal und Champions League. Russen weiter in Bundesliga.“

Der Film hupft wild hin und her zwischen diesen Ereignissen. Er hat eine Schlusspointe, die hier nicht verraten werden soll und die auch nicht näher beschrieben oder analysiert wird. Immerhin gibt es ein paar schöne Zeitlupenstudien von Bewegungsabläufen der Tennisspieler als Drüberstreuer.

3 Gedanken zu „Ping Pong Paradise“

  1. Kein öffentlicher Kommentar – bitte nur an „Stefe“ weiterleiten:
    Ich ärgere mich über diese böswillige und kenntnisfreie Kritik zu einem beobachtenden Dokumentarfilm, der seinen Weg als Diplomfilm einer Filmhochschule ins Kino gefunden hat. Was soll das? „Stefe“ hat wieder einmal gar nichts gesehen oder verstanden. Mir ist klar, dass Filmjournalisten.de von niemanden gelesen oder ernst genommen wird, aber warum erscheinen „Stefes“ traurige Textruinen anonym? So schwer ist das ja nicht: zwei, drei Arteshots und man kommt schon drauf, wer hier den Kino/Internet-Troll gibt.

  2. Vielen Dank, Jörg Adolph, für Ihr Feedback,

    Der Aufmacher mit „Kein öffentlicher Kommentar“ hat die Zugriffszahlen auf die Review sprunghaft ansteigen lassen. Zu Ihrer Information, die Autorenschaft ist nicht anonym, es handelt sich dabei lediglich um ein Kürzel, nicht mal um ein Pseudonym. Verwehren tue ich mich gegen Ihren Diskussionsstil. Den Autor schlecht machen, bloß weil man sich über einen Text ärgert, finde ich, ist keine gute Art. Dagegen kann ich prima damit leben, wenn jemand Argumente von mir entkräftet oder gar auf Fehler hinweist oder genau so gut damit, dass Sie von einem „beobachtenden Dokumentarfilm“ sprechen, während es bei mir „Adabei- und Mäuschendokumentarismus“ heißt, das ist für mich kein grundsätzlicher Widerspruch. Den Begriff „Mäuschendokumentarismus“ habe ich von der Wendung „Mäuschen spielen“ abgeleitet.
    stefe

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