Reißerischer Mischmasch
So wie der Titel formuliert ist, täuscht er den Zuschauer, denn, „deutsches Geld“ klingt in erster Assoziation nach staatlich organisiertem Geld. Um Gelder des deutschen Staates, die – direkt oder indirekt, was der Titel in dieser Interpretation suggeriert – geht es nicht. Es geht lediglich um Spenden, vor allem Klein- und Kleinstspenden, die aus Deutschland Terrororganisationen unterstützen.
Gegen den Titel spricht auch: der Hauptspendensammler, der von dem vielen Kleinvieh großen Mist zusammenträgt, der wird in Linz, Österreich ausfindig gemacht. So müsste es denn heißen: österreichisches Geld für den Terror.
Der TV-Beitrag von Niklas Eckert, Joseph Röhmel und Sabina Wolf unter redaktioneller Verantwortung von Zwangsgebührentreuhänder Philipp Grüll fängt mit reißerischer, angstmachender Bildmontage an. Er versucht gar nicht erst, eine argumentative Ausgansposition zu formulieren.
Zu Beginn wird das sensationsheischerische Ausheben einer Terrorzelle in Nord-Rhein-Westfalen gezeigt. Auch das hat primär mit deutschem Geld für den Terror nichts zu tun. Wird aber zu einem der Story-Stränge mit zwei Pflichtverteidigern als Protagonisten. Diese Geschichte endet mit dem Fazit, dass die Verurteilung mit Spendengeld für den Terror nichts zu tun habe.
Die drei Autoren haben des weiteren einen gesprächigen Terrorexperten herbeigeschafft, eine Frau, die mit ihrem Mann zum IS gegangen ist und jetzt mit KI-unkenntlich gemacht über ihre Zeit dort redet. Zudem sind Dokumentaristen nach Nordsyrien zu einem IS-Camp gereist und werden dort zufälligerweise Zeuge, wie zwei Menschen auszureißen versuchen – hat rein gar nicht mit dem versprochenen Thema zu tun, ist aber schön thrillerhaft und füllt Sendezeit.
Die Autoren hangeln sich entlang dem düsteren Dunstkreis von privaten Geldüberweisungen von Kleinspenden (man hätte den Titel ja auch darauf eingrenzen können) über Western-Union, über das Hawalla-System, das in Deutschland oft illegal betrieben werde, über Digital Services oder über das Krypto-System, was, den Ermittlern gestatte, einen Einblick in realer Zeit zu bekommen, wie ein Experte aus den USA, den die Autoren bei der SIKO in München trafen, meint.
Das Feature ist eine Verausgabung von Zwangsgebührengeldern ohne Erkenntnisgewinn, es stiftet Verwirrung im Kopf dank dem Bilderwirrwarr auf dem Bildschirm und der thematischen Unschärfe.
Solche qualitativ minderwertigen, wenig durchdachten Sendungen sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die die radikale Abschaffung des demokratisch so eminent wichtigen Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk fordern, und alle wissen, welche Partei das als einzige tut, und die möglicherweise auch deshalb so im Aufwind ist. Mit derlei Zeugs beschädigt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst am meisten. Solche Programmteile haben nichts mit der aktuell vor Gericht verhandelten Vielfalt im Angebot zu tun, sondern mit Mangel an Gehirn.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.