Zirkusromantik pur
Dies ist ein Begeisterungsmovie, ein Entzückungsmovie, ja direkt ein Exploitationmovie, denn was gibt mehr her an Bild- und Nostalgiematerial, als ein kleiner Wanderzirkus, der Circus Arena, ein Familienbetrieb in traditionellster Manier mit Pferden, Kamelen, Rindern, Akrobten, Clowns, Jongleuren.
Da kann man nur hingehen und die Kamera weiß nicht, wo hinschauen, oder die Dokumentaristen, hier sind es Julia Lemke und Anna Koch, brauchen nur draufhalten.
Es ist ein vorbehaltsloses Fanmovie des kleinen Zirkus. Mit einem zehnjährigen Wonnepfropfen von Buben als Protagonisten, Santino, einem protoyptisch hellwachen, aufgestellten Buben von elf Jahren, der erste Errungenschaften und Beherrschung von Fähigkeiten hat, der heranwachsende Kräfte spürt und steuern kann.
Es ist aber auch ein Film über das Lernen. Wie selbstverständlich die Zirkuskinder mit anpacken, auf die Schultern vom Papa steigen, wie sie beim Zeltaufbau Pflöcke einschlagen, bei den Vorstellungen Leuchtkugeln verkaufen, wie sie Traktor fahren oder hoch hinauf unters Zirkusdach steigen.
Das schulische Lernen ist schwieriger, da zwei Wochen in einer ersten Klasse, dort eine Woche in einer zweiten, dabei wäre man schon in der dritten.
Lernen geht auch über das Zuhören. Der Opa Ehe, der eigentlich der Uropa ist, erzählt von früher, vom Elefanten Sahid, der einer der größten Zirkuselefanten war weltweit, und eine Sensation.
Er erzählt aber auch von der Nazizeit, von den Sintis und deren Verfolgung und auch davon, dass seine Zirkusfamilie zu groß geworden ist und wie er sich selbständig gemacht hat, wie er zuerst mit einem Puppentheater angefangen hat.
Da Zirkusse mit Tieren heute von Tierschützern brutal angegangen werden, verkündet der Papa des Protagonisten während der Vorstellung bei einer Tierdressur, dass Zirkustiere heute die am besten kontrollierten Tiere seien; man denkt unwillkürlich über schauderhafte Missstände, die immer wieder bei Stalltierhaltung aufgedeckt werden. Jene Tiere müssen nie einer Öffentlichkeit präsentiert werden.
Es gibt andere Zirkusfilme, über den Zirkus Rio Artistik (ohne Tiere) oder über eine Zirkuserbin oder auch Ein Clown. Ein Leben. Zwischen den Dokumentaraufnahmen sind Animationen eingestreut, die die Erzählungen des Opas illustrieren.
Der Film selbst ist in Mäuschenmanier gedreht, die Dokumentarfilmerinnen machen sich unsichtbar und werden generell nicht ins Geschehen miteinbezogen, das macht sich ganz gut. Der Film ist locker in eine Chronologie der Jahreszeiten eingefügt und kulminiert in der extravaganten Weihnachtsshow.