Der Spuk geht weiter
Nach dem ersten Teil The Black Phone, der 1978 in Nord-Denver spielt, führt Scott Derrickson, der erneut das Drehbuch mit C. Robert Cargill nach der Kurzgeschichte von Joe Hill geschrieben hat – hm, vielleicht mussten sie etwas sehr pressen, damit noch was raus kommt aus dem Stoff – 1982 in Nord-Denver weiter, nach einem kurz Vorspiel am winterlichen See in den Rocky Mountains in Colorad im Jahre 1967. Dort steht die einsame Telefonzelle, zu der ein Anruf kommt.
Die Kids Gwen (Madeleine McGraw) und Bruder Finney (Mason Thames) sind gewachsen. Mutter ist nach wie vor tot und Vater Terrence (Jeremy Davies) hat Alkoholprobleme. Da ist auch das Töchterchen wie schon die Mutter gefährdet.
Gwen hat diese Wahrnehmungen aus einer anderen Realität. Scott Derrickson bebildert das wunderbar in der winterlichen Landschaft, die Figuren aus der Vergangenheit, die Toten, die erscheinen und auch der Grabber (Ethan Hawke) mit Maske.
Gwen entdeckt den Werbeprospekt für ein christliches Camp in den Bergen, im Alpine Youth Camp. Mit dem Christentum hat die Familie nichts am Hut, aber Gwen weiß, sie muss da hin, ihre übernatürlichen Wahrnehmungen legen es ihr nahe. Sie will mit ihrem keuschen Freund Ernesto hinfahren. In letzter Sekunde gesellt sich Bruder Finney dazu. Es herrscht dichtes Schneetreiben, ein Blizzard.
Im Camp sind sie die einzigen Gäste. Gwens Träume und Nachtwandeleien hören nicht auf. Sie erleben einen richtigen Schub. Je einsamer eine Gegend und eine Location, desto mehr Platz für Phantasmagorien, für Angstbilder, für Stimmen aus der Vergangenheit.
Es sind wunderbare Stimmungen der Verlorenheit, die der Film daraus zaubert. Und immer wieder die Eisfläche des zugefrorenen Sees. Darunter zeigen sich Gesichter, sie kritzeln Nummern und Buchstaben ins Eis. Dann wieder die Anrufe der Mama. Und das sichere Gefühl, dass es Dinge zu entdecken gibt, dass Nachforschungen angestellt werden müssen.
Das ist der Kitzel solcher Horrorfilme, dass zuerst alles als Wahn, als verwirrte Wahrnehmung, als Einbildung, als schlechte Träume rüberkommt, bis es einen Hinweis aus jener Welt auf ein Beweisstück in unserer realistischen Welt gibt. Das ist der Moment, wo die Ereignisse sich überschlagen und wo der Horror, der Spuk so richtig zuschlägt.