Ballad of a Small Player

Doppelte Verführung

Lord Doyle (Colin Farrell), ein Brite in Macau, ist verführt durch das Glücksspiel. Er ist ruiniert. Er müsste nur noch einmal spielen, dann wäre er gerettet, wie so viele Glücksspieler zu glauben pflegen.

In Macau sind die Casinos bereits No-Go-Aereas für ihn. Einzig im Rainbow-Casino würde er eventuell noch spielen dürfen. Dort trifft er auf Dao Ming (Fala Chen). Mit ihr entwickeln sich die Dinge weg vom stereotypen Glücksspielerfilm. Mit ihr haut er ab aus Macau. Denn dort hat ihn Blithe (Tilda Swinton) ausfindig gemacht. Sie eröffnet einen nüchternen Blick in dessen Vergangenheit in Britannien. Es droht ihm Verhaftung.

In Hongkong kommt er bei Dao Ming in einer einfachen Pfahlhütte unter. Dort hält das Drehbuch von Rowan Joffe nach dem Roman von Lawrence Osborne eine weitere Wendung bereit, die ihm eine Rückkehr nach Macau ermöglicht.

Colin Farrel dominiert den Film mit seiner Soloshow. Poker-Face einen ganzen Film lang, wie das Genre es verlangt, wäre ihm offensichtlich zu fad. Er spielt auf mit einer breiten Palette an Gefühlsäußerungen; denn er ist ein fühlender, irritierbarer Mensch und im Tiefinneren hat er sich ein Gewissen erhalten. Auch das ist gegen die Schablone der Spielernatur.

Das Drehbuch hält ein paar moralische Sätze zur Spielsucht bereit, wie man sie beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland erwarten würde.

Verführt ist aber auch, hoffnungslos verführt, Regisseur und Oscar-Preisträger Edward Berger von den Lichter-, Glitzer- und Wasserspielen der Spielerstadt Macau. Er rührt mit großem Schaumbesen wie ein Bildsüchtiger besessen seine Bildstrecke an, die immer wieder die ungewöhnliche Perspektive sucht, die Unschärfe, das Spiel mit Nähe und Weite, den Farbenmix, das Feuerwerk, den Springbrunneneffekt, so dass das Auge gut beschäftigt ist; allerdings kann das nicht über die Schwächen des Drehbuches hinwegtäuschen. Da helfen auch klamottige Elemente nichts wie die einer Verfolgungsjagd von Blithe hinter Lord Doyle her mit kasperlhaft staksigen Schritten, so als ob sie einen Stummfilm imitierten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert