Ai Weiweis Turandot

Absolutistischer Staat

In schönem Sog berichtet Maxim Derevianko von der Entstehung der Turandot-Inszenierung durch Ai Wei Wei im Teatro dell‘ Opera in Rom.

Ein Prozess, den die Covid-Schließung des Theaters um zwei Jahre verzögerte. In der Zwischenzeit ist auch der Ukraine-Krieg von Russland vom Zaun gebrochen worden. Da die Dirigentenposition neu besetzt werden muss, kommt nun eine ukrainische Dirigentin zum Zuge; mit ihrer Bauchbinde in den ukrainischen Nationalfarben trägt sie zu einer weiteren, unverhofften Aktualität der Inszenierung bei.

Dabei hat Ai Wei Wei so schon mit Videoeinspielungen den Zeitbezug eingebaut mit Bildern von Flüchtlingen, Covid, den Regenschirmen von Hongkong als Protestymbol.

Turandot selbst ist Maximalsymbol für autokratische, brutale Herrschaft. Sie ist die Tochter des Kaisers von China. Der Kaiser will sie verheiraten. Sie will jenen Freier nehmen, der ihr in einer Nacht drei Rätsel löst. Wenn nicht, wird er noch vor Morgengrauen getötet.

Einzig Calàf schafft es. Al Wei Wei stattet ihn mit einem Frosch auf dem Rücken aus. Caláf wird im Gegenzug von der Prinzessin die Lösung eines Rätsels verlangen.

Der Film ist eine süffige Mischung aus Proben- und Vorbereitungsberichten, aus Einblicken in Leben und Schaffen von Ai Wei Wei bis zurück zu einem Auftritt von ihm als Komparse in eben dieser Oper in China, vor allem seine Reaktion auf das Erdbeben von Sichuan, in München mit den Rücksäcken an der Fassade vom Haus der Kunst sichtbar gemacht, sein Gefängnisaufenthalt, die Zerstörung seines Ateliers.

Beteiligte an der Produktion geben Informationen und Statements direkt in die Kamera ab. Der Film gibt einen lebendigen Eindruck, wie riesig und aufwändig so eine Opernproduktion ist und noch aufwändiger das von Ai Wei Wei mit seinem von der Skulptur her gedachten Bühnenbild, das gleich die ganze Welt symbolisiert und dazu noch eine Drehbühne eingebaut hat.

Auch das Thema, dass Puccini mit dem Komponieren nicht bis zum Ende gekommen sei, wird ventiliert wie auch das Thema des Stellenwertes und der Wichtigkeit von Kunst in einer Gesellschaft und ihr Verhältnis zur Politik.

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