After the Hunt

Delikates von der Elite-Uni
oder von der Diskrepanz zwischen Tugendlehre und Tugendpraxis

Julia Roberts ist Philosophie-Professorin Alma Imhoff an der Yale-Universität. Sie behandelt mit ihren Studenten ethische Philosophie, Foucault wird genannt, Adorno, Heidegger (im Zusammenhang mit Hannah Arendt). Alma ist kurz davor, eine Festanstellung zu erhalten, was einer deutlichen Positionsverbesserung gleichkäme.

Alms ist seit Jahren mit dem Psychiater Frederik (Michael Stuhlbarg) verheiratet, der bekannt ist für die Zubereitung eines besonders feinen Cassoulets. Das Ehepaar lädt gerne Studenten ein zu sich in die großzügige Wohnung.

Mit so einer Party fängt Luca Guadagnino seinen Film nach dem straffen Drehbuch von Nora Garrett an. Er geht nah ran an die Leute, fängt diese und jene intellektuellen Gesprächsfetzen auf. Es werden auch persönliche Anziehungen erkennbar.

Studentin Maggie Rednick (Ayo Edebiri) ist lesbisch, in einer Verbindung, steht aber auf Professorin Alma. Professor Hank (Andrew Garfield) ist nicht nur intellektuell zugange. Er charmiert mit der Professorin und sogar mit Maggie – und anderen mehr, wie später zu erfahren ist. Um die Festanstellung scheinen Hank und Alma im Wettbewerb zu stehen.

Pragmatisch, sachdienlich, zielführend und robust kurbelt Guadagnino diesen Themenfilm runter, was zu dessen Vorteil ist und ihn thrillerhaft spannend macht.

Es gibt einen Vorfall, der Einfluss haben wird auf das Beförderungsthema. Schon bei der Party kommt Maggie hinter ein Geheimnis ihrer Professorin. Sie hätte jetzt Munition gegen sie. Sie taucht bei ihr auf und erzählt von einem übergriffigen Vorfall mit Hank. Davor hat Hank schon Alma beiseite genommen und seine Seite der Darstellung präsentiert; hier geht es zudem um Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit der in Arbeit sich befindlichen Diss von Maggie.

In woken Zeiten allerdings hat es ein weißer, akademischer Mann (ein Cis-Man) schwer gegen eine Frau überhaupt und erst recht, wenn sie eine dunkle Hautfarbe hat. Zudem ist sie das Töchterchen eines der wichtigsten Sponsoren der Universität.

Es fängt ein Spiel der Intrigen und Denunziationen an. Man weiß nicht so recht, wem man glauben kann und soll. Die Ehe von Alma und Frederik leidet darunter. Dann leistet sich Alma noch den Klau eines Rezeptes für ein verschreibungspflichtiges Medikament von ihrer Kollegin Dr. Kim (Chloe Sevigny).

So spitzen sich die Dinge zu. Es geht um Karrieren und Absturz. Es ist keine heile Akademikerwelt, die der Film vorgaukelt. Es geht um unconscius containment. Bei der Tonspur verwundert nicht, dass sie ab und an sich anhört, als ob gerade Instrumente gestimmt werden.

Selbstverständlich wird an der Yale-Universität auch weiterhin Tugendethik gelehrt. Genau das ist es, was diesen Gebrauchsfilm so sehenswert und genießbar macht.

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