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Reniassance des 50er-Jahre-Geistes

In meiner Wahrnehmung ist der Geist der 50er Jahre geprägt vom Schock des Zweiten Weltkrieges. Wie unter einer Käseglocke wollte er zwar die Wahrheit sagen, konnte aber nicht. Der Existenzialismus kündigte sich an.

Dieser Geist wollte vielleicht auch lustig sein, vergnügt sich mit Ersatzhumor an Alltäglichkeiten, die schief gehen. So ist es im Film von Julius Grimm, der mit Fabian Krebs auch das Drehbuch geschrieben hat.

Lustig ist eine Urne, die zu Boden fällt und die Asche über den Kirchenboden zerstreuen lässt, das Bestatterproblem, eine Wanne nur für einen Sarg, aber drei Leichen zu haben. Gerne ist auch die Bürokratie Objekt solcher Unterhaltung, die sich immer in der Nähe des Kabaretts und der Satire bewegt.

Aus dem Nummerziehen wird ein Oschi gemacht oder daraus, dass jemand die AGBs lesen will. Am weitesten wagt sich dieser Humor hinaus, wenn er vom Nichts spricht und feststellt, dass es nicht funktioniere. Da könnte es bereits die Regionen der Absurdität erreichen, bleibt aber davor hängen.

Die Schauspieler geben ihr bestes, bemühen sich, solcher Denke physisch und sprecherisch Realität zu verschaffen. Manche haben kabarettistischen Hintergrund oder mann oder frau behilft sich mit dem Rückgriff auf das Chargenpotential von Klischeefiguren.

Dass solcher Geist heute wieder wach wird und sich zu artikulieren versucht, ist kein Wunder angesichts – vergessen wir nicht, wir leben im 21. Jahrhundert, es gab Aufklärung der Menschheit, es gibt Friedens- und Konfliktforschung, es gab die Nouvelle Vague im Kino – und in der Politik läuft es ab wie anno dunnemals mit primitiven Kriegen und Massenmördereien, allein in diesem ersten Viertel des neuen Jahrtausends, man möchte schier verzweifeln an der Menschheit, nur schon wegen der menschengemachten Katastrophen in der Ukraine und in Gaza.

Es ist ein Tumor-, Sterbe- und Hochzeitsfilm zugleich. Resi (Sarah Mahita) möchte sich von ihrem Freund Michi (Julian Gutmann) trennen; der kommt ihr mit der Info der Tumordiagnose zuvor und dass seine Restlebenszeit beschränkt sei.

Der Film springt vor zur Abdankungsfeier. Resi möchte dem letzten Wunsch ihres Freundes, den er in der Clique bei einem Bergausflug geäußert hat, nachkommen und seine Asche auf einem Berg verstreuen. Beim Versuch, diese zu klauen, fällt die Urne zu Boden.

Nach Einsammeln der Asche macht sich die Restclique mit dieser und mit dem Auto auf den Weg in die Berge. Ein Crash bevördert sie alle ins Jenseits. Dort spielt der Film weiter. Dort geht es bürokratiepedantisch-paraodistisch zu. Dort herrscht dieser 50-er-Jahre-Geist mit den passenden Besetzungen. Wozu als Subtext in die Darstellung einfließt, dass man das bombig finde.

Dabei geht das Glaubensthema als Ordnungsprinzip für die Weiterverwendung dieser Menschen in kurzer weißer Unterwäsche etwas in der Performance-Bemühung unter. Hilarious ist die Band, die in der Bürokratie-Empfangshalle auf einer Orchester-Empore fidel und bewegt spielt. Während der Pausengag der Dame am Empfangspult wieder in der Kategorie 50-er Jahre-Humor einzuordnen wäre. Leider sind die Titel etwas mühsam zu lesen, immer links oder rechts angeordnet; das ist im Kino wahrnehmungstechnisch ab und an schwierig, besonders für die Zuschauer, die auf der jeweils anderen Seite sitzen.

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