Einzelkämpferinnen
Geräteführerin, Schuhfacharbeiterin, Geräte- und Anlagenfahrerin, Brückenfahrerin, Chemikerin, Industrie-Meisterin, Polymer-Anlagenfahrerin, Lokführerin, das waren die Berufe der Protagonistinnen zur DDR-Zeit und während der Wende, bevor das Aufblühen der ostdeutschen Landschaften nach dem damaligen Bundeskanzler erst mal tabula Rasa mit den DDR-Industrien gemacht hat. Es waren Industrien, die gut bis sehr gut bezahlt hatten. Chemie sollte nach Walter Ulbricht Wohlstand bringen.
Gerd Kroske hatte in der DDR noch das Studio X aufgebaut, einen privaten Fernsehkanal, der so von der Gesetzgebung her nicht vorgesehen war, und damit vom staatlichen Überwachungsapparat als Petitesse wie eine Verkehrssünde behandelt worden sei, so erzählt er es.
Er hatte damals mit seinem Studio die Frauen in den oben erwähnen Berufen porträtiert, die zum Teil in ehernen Männerberufen sich durchgesetzt hatten. Immerhin war das möglich und von der Bezahlung her spielte das überhaupt keine Rolle; die war leistungs- und jobbezogen und nicht geschlechtsabhängig, was bei uns auch heute immer noch nicht selbstverständlich ist.
Es ist ein ruhiger Dokumentarismus, ein interessierter, aufmerksamer und gleichzeitig respektvoller Umgang mit den Protagonistinnen, die selbständige Persönlichkeiten sind und auch recht pragmatisch wirken, wie sie sich durchgesetzt haben.
Jetzt hat Gerd Kroske diese Frauen wieder vor die Kamera geholt, hat ihnen in ihrem Zuhause die Aufnahmen von damals vorgespielt – teils werden auch Fotos beigezogen. Er hat sich mit ihnen über die Zeit in der DDR, während der Wende und darnach unterhalten.
Es entsteht das Bild von Frauen, die einerseits ihre Arbeit geschätzt haben, die aber auch durch ihre Leistung und Führungsqualitäten selber wiederum Wertschätzung erfahren und daraus ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt haben und die sanft darauf hinweisen, dass eben nicht alles in der DDR schlecht gewesen sei.
Andererseits sind es Frauen, die nicht Zuflucht in Gruppen und Organisationen wie Gewerkschaften suchen oder die Verantwortung für ihr Schicksal auf solche übertragen wollen; sie sehen eine große Selbstverantwortlichkeit; wobei immer wieder das Problem mit der Organisation der Familie angesprochen wird, wie die Schichten zwischen Mann und Frau aufteilen, damit immer jemand für die Kinder da ist, das weiterhin hochaktuelle Thema Kinderbetreuung.
Es ist ein sanftes Revüpassierenlassen einer wichtigen historischen Phase Deutschlands aus einer gewissen Distanz und unter der Perspektive eines unaufdringlichen Feminismus, von dem sich so manch anderer hinsichtlich der Haltung zu Arbeit und Leben ein Stück abschneiden könnte. Als Ergänzung in Spilefilmform könnte man dazu gerne Wilma will mehr in Erinnerung rufen.