Herrlicher Kinodadaismus,
der sich einen unbändigen Spaß daraus macht, dem verkommenen Luxusmilieu, in dem James Bond und andere Agenten- und Diamantenraubthriller beheimatet sind, die Maske herunterzureißen.
Vielleicht gibt der Titel einen tieferen Hinweis, einen Schlüssel. Zuerst die Frage, was ist ein toter Diamant? Eine KI, die ich befragte, konnte mir nicht weiter helfen. Aber vielleicht hilft genau das weiter, im Versuch, aus dem Titel eine Hilfestellung für die Analyse des Filmes zu gewinnen.
Man stelle sich das Gegenteil eines toten Diamanten vor, einen lebendigen Diamant, so wie man ihn kennt, der leuchtet tausendfach in allen Richtungen, funkelt, spiegelt und verstärkt Licht, kann gar als Blendwerk eingesetzt werden und ist begehrt wie wenig Kostbarkeiten sonst, so dass eine ganze Industrie sich allein darum herum gebildet hat, wie die Jagd nach Diamanten im Kino lecker und bekömmlich zu verkaufen ist.
Das scheint Hélène Cattet und Bruno Forzani zu verwundern und zu amüsieren, wie alles hinter den Diamanten her ist und hinter diesen Leuten wiederum ist das Kino her und hat ein paar eigene Prachtstücke zustande gebracht, auf welche die Kenner und Connoisseure des Genres hier genügend Verweise finden dürften. Was den nicht Verweisgefährdeten nicht stören muss und seinen Genuss keineswegs mindert.
Es ist faszinierend, was sich der Mensch alles einfallen lässt, welchen Bluff, welche Finten der Mensch auffährt, nicht nur um an Diamanten zu kommen, auch an Macht und Energie, an die Schlüssel von Macht, welche doppelten und mörderischen Spiele er zu spielen bereit ist und wie er diese zu bemänteln versucht mit einer betörenden Augenweide an Luxus sowohl in der Ausstattung, der Unterkunft und auch seinem Personal, Frauen wie Männer.
John (Fabio Testi) ist ein älterer Herr, weißer Anzug, ehemaliger Geheimagent, logiert in einem Luxushotel am Meer. Sein Blick scheint keine Grenzen der Lüsternheit zu kennen, wenn er gepflegt am Meer einen Drink zu sich nimmt und eine Kinoschönheit, wie sie vielleicht nur im Thriller so schön sein kann, sich vor ihm an den Rand des Meeresschaumes setzt und sich nass spritzen lässst. John hat auch eine Zimmernachbarin, die sich regelmäßig über ihn beschwert. Solche Dinge werden elegant mit diskret über den Tresen des Concierges geschobenen Scheinen gelöst.
Der Film spielt auf verschiedenen Zeitebenen, es gibt den jungen John (Yannick Renier) und vor allem die große Unbekannte, Serpentik, die geheimnisvolle, die im Glitzerkleid leuchtet, funkelt und strahlt wie tausend Diamanten.
Der Film liebt die Details, die Inserts, die Close-Ups, die kleinen und die großen Mordinstrumente, die kleinen und großen Verletzungen, das Herunterreißen der Maske, aber auch den Blick hinter die Kulissen eines Drehs.