Kontinental ’25

Unsere Welt ist zum Verzweifeln

mit dem Ukraine-Krieg, mit dem israelischen Vernichtungs- und Vertreibungsfeldzug in Gaza, mit der EU, mit dem totalitären Orban in Ungarn, mit den ethnischen Konflikten, Rivalitäten innerhalb Rumäniens zwischen Ungarn, Rumänen, Roma, mit der Korruption in der Regierung, den bösen Investoren, mit den Typen aus der früheren Securidade, der Geheimpolizei, die jetzt bei der Polizei ihr Unwesen treiben, dabei ist Trump noch gar nicht erwähnt, Assad schon wieder zu den Akten gelegt, genau so wie der Irakkrieg.

Andererseits gibt es Stadtansichten aus Rumänien, herausgeputzte Sträßchen, herrschaftliche Gebäude aus der k. u. k. Zeit, moderne Toparchitektur, Vorstädte, die immer voller werden mit Massen an Wohnblocks und Reihenhäusern.

Das treibt Radu Jude (Bad Luck Banging or Looney Porn) um. Er siedelt seinen Film in Klausenburg an. Hier ist das Ungarische ein wichtiges Element. Die Protagonistin Orsoyla ist Gerichtsvollzieherin. Sie spricht nebst Rumänisch auch Ungarisch. Ihre Mutter (Annamária Biluska) empfiehlt ihr, in Ungarn einen Job zu suchen. Sie lehnt ab wegen dem dortigen Despoten.

Orsolya ist in der Krise, fühlt sich von ihrem Job nach dem Suizid ihres Klienten Ion (Gabriel Spahiu) überfordert. Sie fährt nicht mit in den Familienurlaub mit ihrem Mann und den zwei Kindern nach Skiatos. Sie muss den Selbstmord verdauen.

Dazu lässt Radu Jude sie mit verschiedenen Zeitgenossen zufällig oder gezielt zu längeren Gesprächen treffen, die Orsolya mit dem Bericht über den Suizid von Ion beginnt. Es sind Gespräche, die in langen, ungeschnittenen Einstellungen das Moralgebiet zwischen Zen, Christentum, zwischen Brecht und Shakespeare abzudecken versuchen oder wie mit Freundin Dorina (Oana Mardare) generell über das Helfen und Spenden und wie man gleichzeitig mit dem stinkenden, urinierenden, kackenden Penner vor der eigenen Tür umgehen soll.

Mit Fred (Adonis Tanta) kommt zu den Zen-Stories mit blutigen Fingern und anderen Pointen noch eine Affäre hinzu. Fred war einer ihrer Studenten, als sie vor Jahren an der Uni Jura lehrte. Auch er ist kein Akademiker geworden, er ist Fahrradkurier. Mit dem Priester (Serban Pavlu) dreht sich das Gespräch schließlich um die Religion, Jesus, Luther.

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