Oktoberfest 1905, Folgen 1 und 2 (ARD, 20. September 20.15 Uhr)

Ein üppiges Fernsehprodukt

Üppig allein durch die Anzahl der an der Produktion Beteiligten, laut Abspann: Eine Produktion von Zeitsprung und Violet in Zusammenarbeit mit Velvet, gefördert von FFF Bayern, Film und Medien Stiftung NRW, wallimage, wallimage tournages, BNP Paribas Fortis, Belgian Tax Shelter in Koproduktion mit BR, ARD Degeto, MDR.

Üppig auch die Anzahl der namentlich Verantwortlichen: Regie: Stephan Lacant, Konzept: Alexis von Wittenstein, Ronny Schalk, Head-Autor: Ronny Schalk, Drehbuch: Ronny Schalk, Dani Merkel, Redaktion: Daniela Boehm (BR), Bettina Ricklefs (BR), Christoph Pellander (ARD Degeto), Meike Götz (MDR).

So weit ist das jedenfalls aus den Episoden 1, „Das Leben ist eine Achterbahn“, und Episode 2: „Der größte aller Lügner“, ersichtlich.

Üppig wirken auch Bild, Ausstattung,Kostüme und der große Kinossound, der drüber gelegt wird.

Im Vergleich zu all diesen Üppigkeiten wirkt die Erzählweise wenig episch; es scheint nicht viel Zeit da zu sein, das Fundament der Geschichte ausreichend zu etablieren. Schnell werden Konflikte eingeführt. Manches kommt einem bekannt vor. Ach so, es gab vor 5 Jahren schon eine Serie Oktoberfest 1900. Der Eindruck, den stefe dort hatte, der ist heute nicht anders. Es gibt Info-Lücken. Deshalb kommt einem einiges bekannt vor, nicht aber unbedingt schlüssig.

Der Prank, der wollte doch damals von Nürnberg nach München aufs Oktoberfest. Das ist mir noch erinnerlich. Aber das verwirrt jetzt eher. Die aktuelle Serie stellt den Zusammenhang zur vorherigen nicht her, setzt ihn offenbar voraus. Das führt momentweise zu Irritation. Wie heißt dem Prank sein Bier? Capital oder Daibl?

Die Amis würden wahrscheinlich bei für ihre Verhältnisse vergleichbar großem Aufwand deutlich mehr Wert legen auf das Storytelling und die Formung der Charaktere mit ihren Konflikten, auf die Etablierung von Figuren und Konflikten.

Hier kommt einiges, das mag mit den auffällig unterschiedlichen Kalibern von Schauspielern zusammenhängen, unscharf daher, so nett die Atmosphäre in der Deutschen Eiche gezeichnet wird.

Was die Zeitaktualität betrifft, so erscheint die Serie verglichen mit dem, was zur Zeit täglich aus den USA und dem Weißen Haus zu erfahren ist, geradezu harmlos; dagegen wirkt die Serie wie ein Bericht über den Kampf der Touristen mit dem Badetuch um den Platz am Pool.

Gerade, was die Expansion von Prank in die USA betrifft, bleiben schmerzliche Leerstellen, die wirkt wie aus dem Hut gezaubert, so nett historisch sich die Präsentation des Prank-Colosseums und der ersten Achterbahn in Europa darstellen.

Vor allem löst die Serie in den ersten beiden Folgen, das noch vor den Folgetiteln eindrücklich eingesprochene Wort nicht ein: „Es ist beschämend, wie leicht man die Männer berechnen kann“ und dass Frauen sie daran gängeln würden. Das kommt einem vor wie ein leeres Versprechen, das die Autoren so schnell vergessen wie Wahlkämpfer ihre Wahlparolen, sobald sie an der Macht sind.

Es entsteht der uncoole Eindruck, dass die Produktion mehr will, als sie kann, sich aber die Zeit dafür nicht nehmen darf, kann oder nimmt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

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