Oktoberfest 1905 – 4. Wenn der Teufel tanzt (ARD, Samstag, 20. September 22.40 Uhr)

Merkwürdig heterogener, weltfremder Cast, der die Rollen per Gunst (wer weiß, gar per Kungelei, Klüngelei, Packagesystem womöglich?) erhalten hat; und wenn dem nicht so sein sollte, so wäre gegen den Gegenbeweis eines knallharten und offenenWettbewerbes um solche von Schauspielern und Agenturen begehrten Rollen nichts einzuwenden.

Historik-Getue, Zelebrieren des Historischen. Dass teils Byayerisch gredt wird, ist immerhin sympathisch. Andererseits ist doch die bayerische Lebensart nie so pathetisch, so zelebrierend. Da steckt immer was Zwidriges gegen das Schicksal drin.

Bayern und Oktoberfest, das ist kein Melodram, es sei dann, man beherrsche es wie ein Douglas Sirk. So aber bleibt es ein Bayern verfälschender Degeto-Kitsch.

Zwischendrin mit Säbel oder Mistgabel wird es deftig-blutig; noch bescheuerter. Wenn das, was hier geschildert wird, die bayerische Lebensart sein soll, dann wäre sie nie und nimmer so bekannt geworden, wie sie es mit dem Oktoberfest und den Traditionen – und der bayerischen Gerissenheit, Schlauheit, Hinterfotzigkeit, aber auch dem Humor, der hier gänzlich fehlt, Turmspitze Karl Valentin, weltweit geworden ist.

Bei Degeto entwickelt die Bayerische Art die Attraktivität von Leichenhallen, Grabkammern, aber vermutlich nicht mal von Schützengräben und Fabrikhallen.

Zum Thema historischer Filme: die werden prinzipiell für die Lebenden gemacht, selbst die museale Rekonstruktion. Das ist ein großes Manko dieser fiktionalen Produktion: sie erzählt so gar nichts unserer Gegenwart; es gibt ja auch jetzt einflussreiche Familien in München und die sind gut mit der Politik verbandelt; da kann so mancher Wirt problemlos sich in der FuZO mit Freischrankflächen ausbreiten, während der Wirt mit migrantischem Hintergrund enorme Hürden sieht oder der Neubau rund um den Georg-Kronawitter-Platz, da war in den Zeitungen zu lesen, da sei wohl viel hinter den Kulissen passiert und der Begriff von reichen Münchner Familien tauchte auf. Es gibt auch in München sehr reiche, einflussreiche Damen; eine völlig andere Welt, als hier im Film beschrieben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

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