A weng was Illegales geht immer
Das ist der Reiz der Krimis aus Passau, einer losen Reihe, inzwischen fürs ARD-Programm und für Degeto glattgebügelt.
Hauptcharme und Hauptillegalität geht von den beiden unkonventionellen Protagonisten aus, von Marie Leuenberger als Polizistin im Schutzprogramm und dem österreichischen Schmalspurdetektiv Ferdinand Zankl, prima performed von Michael Ostroswki. Über ihn kann man sich lustig machen, wenn er einen Papierrollendieb überführt. Aber letztlich ist er bei den Kapitalverbrechen, vor allem gegen Schluss, der Unentbehrliche.
Der Charme des Illegalen sprüht nicht nur aus den beiden Figuren, auch die Polizei nimmt es nicht immer so genau. Es gibt den Polizeichef Mohn (Stefan Rudolf), der bisher überlebt hat in allen Folgen. Der hat inzwischen eine Karikatur von Eager-Beaver-Assistentin, die vor lauter Ehrgeiz kaum weiß, wie sich bewegen oder wie ihre Augen verdrehen oder den Mund spannen; es gibt halt allerlei Interpretationen dessen, was Schauspielerei soll oder können soll.
Dann erhalten ein paar junge Pappkameraden im Gunstgewerbe der öffentlich-rechtlichen Rollenvergabe, gewiss ohne jedes konkurrierende Casting, Rollen von einer abgrundtiefen Kaputtheit und mörderischen Verderbtheit, die sie nie und nimmer ausfüllen können.
Aber der Tanz-auf-dem-Illegalen ist durch Gewohnheit und es immer wieder ausprobieren von Autor Michael Vershin, hier in der Regie von Jan Fehse, längst auf das belämmernde Niveau einer Mainstreamschiene gehoben dank Kurzstreckenlogik, die bei Laune hält und vom Mangel an konstitutioneller Logik ablenkt.
Diesmal geht es um einen Mord im Rockermilieu. Die Rockergang „Roter Wolf“, so was passt ganz gut zur Dreiflüssestadt, hat sich in den Hinterzimmern eines Blumenladens eingenistet und erhält ab und an Sonderlieferungen aus Holland, in denen sich nicht nur Tulpen befinden.
Große Geschäfte, das lernen wir auch hier, lassen die Gier der Beteiligten wachsen, Geld macht gierig und kann zu krummen Wegen bis zum Mord führen, das ist dann doch eine ordentlich öffentlich-rechtliche Moral, die hier immerhin nicht moralintrocken in anderthalb Stunden transportiert wird. In der Tulpensendung sind nicht nur Tulpen und im Krimi ist nicht nur Mord.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.