Beule – Zerlegt die Welt

Kino aus Ostholstein,

wann gibt es das schon, zumindest lautet identifizierbarem Auto-Kennzeichen OH.

Wenn wir das jetzt für eine typische Erzählung aus der Gegend nehmen wollten, so würden wir schließen, die Menschen dort sind nicht ohne Humor, aber wie an so vielen anderen Orten der Welt, gibt es kein Rezept für die Liebe, für die ewige Liebe, denn würde die auch noch gelten, wenn der Partner oder Partnerin plötzlich AfD-Anhänger würde, beispielsweise?

Janek Rieke, der Filmemacher und Darsteller der Hauptrolle des Olli, der ein Bootsreparateur ist, fungiert als Ich-Erzähler, der den Film auch kurz mal anhält. Er stellt sich dar als ein Choleriker, der schnell etwas vermöbeln, kaputtmachen, zusammenschlagen muss, wenn die Welt nicht so funktioniert, wie er es gerne hätte. Und das ist oft der Fall.

Wenn es sein muss, findet Beule schnell eine Axt, die er in Autos oder Zigarettenautomaten oder was ihm sonst vor die Axt läuft, hineinwuchtet. Er ist verliebt in Anja (Julia Hartmann). Die möchte ein Kind und heiraten. Ihm ist das zu kompliziert oder angstbelastet. Er hat etwas Schwerenöterhaftes; gleichzeitig ist er liebessehnsüchtig, liebeshungrig.

Beule wird noch mehr gefordert, wie Anja ihm offenbart, dass sie schwanger ist. Er sieht sofort nur die Probleme, die auf ihn zukommen. Er vergisst, den Kühlschrank aufzufüllen; denn Anja will schwangerschaftsbedingt nur mehr Erdebeereis essen. So muss er sich zu später Stunde auf den Weg zur Tankstelle machen.

Auch hier folgt eine minutiöse Milieuschilderung. Mia (Nilam Farooq), die Tochter der rigiden Kiosk-Betreiberin, hilft ihm aus der Patsche, da er kein Geld dabei hat. Er wird sich auf seine Weise bedanken, indem er eine Affäre mit ihr beginnt. Das kompliziert die Dinge noch mehr.

Dann ist da auch noch sein Bruder Richard (Max Giermann). Und da ist die frühere Affäre von Anja (der famose Hans Löw). Fallgruben über Fallgruben für Beule.

Man hat den Eindruck, mit ostholsteinischer Verbohrtheit, durchaus im belustigenden Sinne, bringt der Regisseur all die Figuren ständig in schwierige Situationen, fordert sie und ihre Herzlichkeit oder ihren Starrsinn oder ihre Cholerik heraus.

Zum Entschärfen hat er die Psychologin Frau Milewski (Frey Trampert) eingebaut. Wie er die Story dann zum Hochzeitsfilm wendet, da muss er tricksen, das ändert nichts daran, dass man mit diesen wunderbaren Charakteren und ihrem Hadern mit ihren Situationen eine prima, herzerfrischende Zeit verbringen kann.

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