Sugarland (Hauptwettbewerb Fünf Seen Filmfestival 2025)

Verwegene Frau

Verwegen im Sinne von ver-wegen, also dass jemand vom Weg abgekommen ist oder mit dem Weg ein Problem hat, dass der Weg ins Wanken geraten ist.

Iga (Jana McKinnon) ist so eine Frau. Viel erfahren wir nicht über sie. Sie ist Wienerin, hat sich von ihrem Freund getrennt; sie macht sich mit seinem Auto von Wien aus auf den Weg nach Schottland, wo er sich offenbar aufhält.

Verwegen im Sinne, sie macht sich auf den Weg, aber sie weiß nicht so recht, ob nun mit ihm Schluss ist, ob sie wirklich Schluss machen soll oder ob es doch noch was wird. Eine Frau in einer verwegenen Situation. Eine zaudernde Frau.

Unschlüssigkeit oder Halbschlüssigkeit, das scheint Regisseurin und Autorin Isabella Brunäcker zu faszinieren. Das ist manchmal auch viel spannender, wenn ein Mensch nicht so recht weiß, ob er nun aufhören soll oder nicht.

Immerhin ist Iga auf dem Weg. Sie fährt allein. Sie hält an Parkplätzen, sie geht zur Toilette. Sie raucht eine Zigarette. Sie zieht ihre braune Lederjacke an, wenn sie aus dem Auto steigt. Es ist kalt. Es ist winterlich.

Auf einem Parkplatz wird sie von Scotty (Joe Usher) angesprochen. Er spricht Englisch und will zurück zur Insel. Iga zögert, ihn mitzunehmen. Zuerst sagt sie, sie nehme niemanden mit. Aber Scotty spürt, dass diese Absage nicht entschieden genug ist. Er fragt nochmal. Ein Hin und ein Her setzt ein. Schließlich sagt sie doch ab.

Aber irgendwie hat sie Mitleid oder irgendwas reizt sie. Jana McKinnon spielt das schön aus. Dann fahren beide zusammen. Der Dialog holpert, bröselt, bröckelt. Sie will ja nicht. Und wenn zwei Menschen auf so engem Raum zusammen sind, dann plaudert man doch.

Er sei auf einer Party in Italien gewesen. Er hat eine vorgeschobene Begründung dafür, dass er trampt. Sie rückt raus damit, dass sie nach Schottland unterwegs sei, um mit ihrem Freund Schluss zu machen und ihm seine Sachen zurückzugeben, aber auch, um ihn nochmal zu sehen. Eine halbentschlossene Sache.

Die Regisseurin lässt sich nicht auf das simple, wie naturgegebene, übliche und häufige Männchen-Weibchen-Programm ein, kennenlernen und dann schnackelts. Auch das bleibt in der Schwebe. Es gibt Andeutungen, ja einen kleinen Abstecher ans Meer unternehmen die zwei. Die Gespräche streifen um den Sinn des Lebens, die Liebe, die Ziele, Nahtoderfahrung. Das Roadmoad nimmt eine Wendung ins Actionhafte.

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