Atmosphäre der Undurchsichtigkeit
Der Selling Point für diesen Film von Mehmet Akif Büyükatalay dürfte die Koranverbrennung sein. Die ist ein emotionsbeladenes Thema und es wird auch die Koranverbrennung in Schweden von 2023, die weltweit Aufsehen erregt hat, zitiert.
Allerdings behandelt der Filmemacher klugerweise nicht diese Aktion. Dazu gibt es eine knappe, fachliche Darstellung eines Imams über unterschiedliche Möglichkeiten der Verbrennung, solche die tolerabel seien und eben die anderen.
Um eine Koranverbrennung herum arrangiert und baut der Regisseur eine thrillerhafte Story, die in die Tiefen oder in die Untiefen der Menschen hineinleuchtet.
Es sind Menschen aus einem Filmteam. Der Filmemacher Ygit (Serkan Kaya) dreht einen Film, zu dem er durch einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim inspiriert wurde. Es gibt die Szene, in der das Heim in Flammen aufgeht. Als Darsteller konnte er reale Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft gewinnen. Das Problem ist, dass bei dem Brand auch ein Koran verbrannt wurde. Das entdeckt einer der Darsteller bei einer Szene, in der sie die Brandreste wegräumen müssen, und er thematisiert das.
Dreh- und Angelpunkt der Zirkels von Verdächtigungen ist Elif (Devrim Lingnau; eine deutsche Schauspielerinnen von internationalem Kinoformat). Die ist zufälligerweise in einer Hilfsfunktion, als ein Mädchen für alles, zu dem Team gestoßen.
Der Kriminalfall selbst ist der Diebstahl der Kassetten mit den Brandszenen drauf. Hinzu kommt eine gewisse Schusseligkeit von Elif. Sie verliert noch die Schlüssel zur Wohnung des Regisseurs, in der sie übernachten kann. Sie hat aber auf ihrem Computer eine Überwachungsfunktion installiert.
Vermutet wird, dass das Verschwinden der Kassetten mit dem verbrannten Koran zu tun haben könnte. Zum Kreis der Verdächtigen und der Verdächtigenden gehören weiter die nicht ganz durchsichtige Lilith (Nicolette Krebitz), der Atheist Mustafa (Aziz Capkurt) und Said (Mehdi Meskar).
Mehmet Akif Büyükatalay schafft durchgehend eine im deutschen Kinos seltene Thrilleratmosphäre. Das hat zu tun mit exzellenter Schauspielerführung (und auch: -auswahl), damit, dass er nicht zu viel Energie auf die Ausleuchtung verschwendet und auch mit der Kamera, die ihr Teil zu einem glaubwürdigen Realismus beiträgt.
Das Problem der Differenz on-screen und behind-screen, also der Unterschied zwischen Rolle spielen und privat, was oft in Film-im-Filmen zu wenig gut gelöst ist, meistert er hervorragend.
Nur bei der Auflösung, wenn am Schluss alle Tatverdächtigen in einem Raum versammelt sind, da bleibt zum Aufholen auf Agatha Christie noch Luft nach oben. Mit einer Trash-Phase am Schluss vermeidet der Film jegliches Abgleiten ins Drama oder Melodram.