Eine Million Sandkörnchen

Expressive Sandarbeit

Der Film von Andrea Deaglio stellt in kinematographisch anprechender, fein gearbeiteter Manier die Methode der expressiven Sandarbeit zur Traumaverarbeitung der Südtirolerin Eva Pattis vor. In einem zwischen die Erläuterungen und Beispiele eingebetteten Strang beleuchtet er die persönliche Betroffenheit der Psychologin, das Kriegstrauma ihrer Mutter durch den Tod von deren erster großen Liebe im Zweiten Weltkrieg, das diese sozusagen unverpackt an ihre Tochter weitergegeben hat.

Schönes Beispiel dafür sind die Briefe, die sie an ihren Verlobten an der Front geschrieben hat und die alle ungeöffnet zurückgekommen sind, ohne dass sie eine Tot- oder Verschollenheitserklärung erhalten hätte. Diese Briefe hat ihre Mutter ihr Leben lang als besonders wichtige Erinnerungsstücke in einem Kästchen gehütet und aufbewahrt.

Die Methode des Sandarbeit ist zu verstehen als Intervention gegen Kriegstraumata. Menschen, die darunter leiden, erhalten von den Therapeuten kleine Sandkästen und eine Auswahl an Figuren, Tiere, Pflanzen, Menschen, Brücken, Autos, und auch abstrakte Elemente. Daraus gestalten sie, ohne dass sie etwas dazu sagen müssen, Bilder, die sie beschäftigen. Eva Pattis arbeitet auch als Referentin und Ausbildnerin dieser Methode, die inzwischen verbreitet Anwendung findet.

Der Film berichtet von Beispielen mit jessidischen Flüchtlingen, die im Irak grauenhafte Dinge erlebt haben, die Methode wurde in der Ukraine im Donbass ab 2016 angewendet, bis die Leute 2022 fliehen mussten. Ein Beispiel stammt aus China, wo die Methode nach einem verheerenden Erdbeben Anwendung fand.

Aus der Darstellung im Film wird anhand konkreter Bildbeispiele auf Erfolge der Methode hingewiesen, wie sich die Bilder von Sitzung zu Sitzung verändern, wie plötzlich positive Interpretationen, solche der Hoffnung, sichtbar werden. Die Methode ist ein Hilfsmittel, die Fähigkeit zu erzählen zu reaktivieren, wenn sie durch traumatische Erlebnisse in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

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