Differenzierte Betrachtung der amerikanischen Voodoo-Lage
Der Film von Zach Cregger tanzt wie ein amüsierter Teufel auf den Wogen des in der amerikanischen Trumppolitik vorherrschenden Irrationalismus und dessen Provinzialität. Deshalb spielt er in einem amerikanischen Kaff; dort zuerst an der Maybrock-Grundschule.
Der Film fängt mit einem verblüffenden Befund an. An einem ganz gewöhnlichen Schultag in der Jetztzeit gehen alle Schüler und Lehrkräfte zur Schule. Einzig Justin Gandy (Julia Garner) steht vor einem leeren Klassenzimmer, nur der Bub Alex (Cary Christopher) sitzt allein an seinem Pult.
Die Recherchen ergeben, dass alle anderen Kinder in der Nacht um 02.17 Uhr ihre Betten und Häuser verlassen, geradeaus davongelaufen und in der Dunkelheit – spurlos – verschwunden sind.
Der Film setzt nun mit einzelnen Figuren als Zwischentiteln die Geschichte aus deren Sicht und deren Leben zusammen. Dabei schildert er mit Wonne ein paar Eigenheiten im Provinzleben.
Es kommt der Polizist vor, Paul (Alden Ehrenreich); der hat nicht nur ein Verhältnis mit Justine, obwohl er in fester Beziehung ist; er hat es auch chronisch mit dem Junkie James (Austin Abrams) zu tun, der sein Leben nach eigenen Vorstellungen und Zwängen gestaltet.
Es gibt ein Kapitel über Archer (Josh Brolin). Er ist der Vater eines der verschwundenen Kinder. Er hat dank Überwachungskamera Hinweise auf das rätselhafte Verschwinden der Kinder. Er ist ein Bürger und Vater, der sich auf der Elternversammlung äußert und Lehrerin Justine für die mögliche Schuldige hält. Es gibt in der Ortschaft Ansätze, sie zu belästigen und zu mobben.
Ferner taucht die clownesk anmutende Gladys (Amy Madigan) auf. Die will auf jeden Fall verhindern, dass die Polizei im Elternhaus von Paul erscheint, so wie die Polizei wiederum auf keinen Fall möchte, dass die Lehrerin den einzig verbliebenen Schüler kontaktiert oder besucht, der, nachdem der Schulbetrieb nach einer Anstandspause von vier Wochen wieder aufgenommen wird, in eine andere Klasse eingeteilt ist.
Es gibt so eine Phase im Film, da tut er so, als gäbe es die Kindergeschichte nicht, beschäftigt sich mit den Wichtigkeiten der Ereignisse in der Provinz und etwas dazwischen gestreutem Geisterbahnspuk, um dann überraschend wieder und mit eher unerwarteten Zutaten, auf die Spur der Kinder einzubiegen. Man täte dem Film sicher nicht unrecht und würde ihn garantiert nicht beschädigen, wenn man ihn mit dem Zusatz im Titel „- oder der Trump ist los“ versehen würde.