Trampen nach Norden

Sonnige DDR –
Ein DDR-Sommerfilm, ein DDR-Roadmovie aus dem Jahr 1977

Gunnar (Axel Kaboth), vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, ein stämmiger Junge, der schon viel Eigenwilligkeit zeigt, ist mit einem großen Seesack auf dem Weg von Berlin nach Rostock zur Sommerfreizeit. Unterwegs trifft er auf Teresa (Silvia Mißbach), die ist gerade mal 13 und ist auch zufälligerweise aufs Trampen angewiesen. Das scheint damals gang und gäbe gewesen zu sein.

In diesem Film von Wolfang Hübner, der mit Eberhard Borkmann das Drehbuch nach dem Szenario von Wera und Klaus Küchenmeister geschrieben hat, das wiederum frei nach dem Buch von Gerhard Holtz-Baumert angegeben wird, gibt es also eine wunderbare Tramper-Szene an einem Dorfausgang.

Die Philosophie der Kids von damals. Der kommt am schnellsten weg, der auf einer Tafel verkündet, er würde bis Templin 100 Witze erzählen. Ein anderer hat den Ratschlag mit der gut aussehenden Frau, die man vorschicken soll. Daran erinnert sich der erst abweisend reagierende Gunnar, wie er das erste Mal Teresa begegnet.

Das ist der Coming-of-Age-Teil, sehr verhalten, es reicht gerade mal bis zu einer ersten Ahnung von möglichen Gefühlen und einem doch überraschten Blick, wie sie einem Mann ein Abschiedsküsschen auf die Wange drückt.

Der Film schildert direkt begeistert das Trabi-Land DDR. Er erinnert anfänglich an Jacques Tatis Ferien des Monsieur Hulot mit kuriosen und lustigen Details aus dem Urlaubsbetrieb auf den Autobahnen.

Es ist eine DDR, in der es menschelt. Ein Eremit (Herwart Grosse) verbreitet Weisheiten. Ein LKW-Fahrer erzählt von seiner gescheiterten Beziehung, weil seine Frau sich nicht damit abfinden wollte, zuhause vor dem Fernseher zu sitzen, während er mit seiner Fernfahrerei das Geld herbeischafft. Ein Pastor (Winfried Glatzeder) bringt das Thema des Glaubens und der Kirchen aufs Tapet.

Gauner gibt es ebenfalls, ein Aufschneider in einem Mercedes (Edwin Marian) gibt auf der Suche nach Raritäten und Antiquitäten vor, er komme von einem Ministerium in Berlin. Die Dialoge sind geschliffen, vielleicht für den heutigen Westler nicht durchgehend verständlich. Die Menschen schenken sich nichts. Das Militär ist zuvorkommend und freundlich zum Tramper. Und vieles, was heutige DDR-Aufarbeitungsfilme thematisieren, wird ausgeblendet. Über allem schwebt der Traum von Sumatra, die DDR gewissermaßen in einen Sprühnebel mit dem Duft von Sumatra eingehüllt.

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