Primadonna or Nothing

Viel Applaus

Eine Hypothese, die sich einem ab und an beim Schauen von Dokumentationen über darstellende, besonders singende, Künstler, aufdrängt, ist diejenige, was selbstverständlich noch zu beweisen wäre, dass je mehr die Dokumentaristen Applaus auf die Tonspur legen, desto wenig Distanz sie zu ihren Protagonisten haben; andersrum formuliert: je mehr Applaus, desto mehr Verehrungsmovie, desto weniger Distanz.

Juliane Sauter gönnt ihren drei Sopranstinnen aus drei Generationen sehr viel Applaus. Es sind das die weltberühmte Renata Scotto, die alles hinter sich hat und die inzwischen verstorben ist. Es ist das Angel Blue, die nach 15 Jahren des Durcharbeitens um die Welt jettet, von Chauffeuren mit ihrem Namensschild in der Hand abgeholt, kutschiert und in den exklusivsten Hotels abgeladen wird. Und es ist Valerie Eickhoff, die es bei einem Nachwuchswettbewerb in Kanada schon mal ins Finale schafft und die sich nach längerer Untentschiedenheit doch entschließt, alles für die Karriere zu tun.

Die Dokumentaristin hat Tonaufnahmen mit ihren Protagonistinnen gemacht, die sie über anderes Bildmaterial legt. Es ist die Art von Mäuschendoku. Sie ist immer in der Nähe ihrer Stars. Sie darf in die Hotelzimmer, in die Wohnung, sie ist bei Proben dabei, bei Begrüßungen oder Verabschiedungen, backstage genau so wie auch mal bei einem Essen.

Es gibt Zwischenmaterial, das auf den Glanz der Opernwelt hinweist. Es gibt Gesangsaufnahmen direkt und original. Aber es gibt auch Aufnahmen vom Singen mit anderer, eher sphärisch-atmosphärischer Musik darüber, ein Trend im gegenwärtigen Musikdokumentarismus seit Köln 75? Und über allem dräut der Schatten der Maria Callas, der Primadonna assoluta, den kann eine Renata Scotto mit einer Bemerkung wegwischen, während Angel Blue glücklich ist darüber, dass es sie gegeben hat.

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