Kommentar zu den Reviews vom 31. Juli 2025

Während das Film-Feuilleton der SZ gerade dabei ist, im Zuge der Schrumpfkur der Zeitung sich selbst abzuschaffen, derweil die Lokal- und Veranstaltungsseiten fürs Kino erhalten bleiben, erblüht München im Sommer als Kinostadt zu extremer Vielfalt und Attraktivität dank der Filmkunstwochen (noch bis zum 20. August), die geprägt sind von den starken Individualitäten der arthouse-Filmtheater-Betreiber, die mit diesem exzellenten Programm ein starkes Votum setzen gegen die Blockbuster-Monokultur großer Kinoketten, es wäre nicht verwunderlich, wenn sich das unter Touristen, die mehr denn je die Stadt fluten, herumsprechen würde wie die Eisbachwelle, als einmalige, die Stadt prägende Attraktion, die anziehender wird mit den sich explosiv vermehrenden Extremwetterlagen, desto ausgleichender für Herz- und Kreislauf und Gemüt sind die Kinos. Die Filmkunstwochen bieten ein überwältigendes Angebot an Filmen, die man vielleicht so schnell nicht wieder im Kino sehen kann oder die man immer schon sehen wollte, auch mal mit richtigem 70-mm-Projektor. So ein fantastisch vielfältiges Angebot, das müssen andere erst mal nachmachen. Zu München schwingt der Begriff Kino nach wie vor mit. Die Filmkunstwochen sind eine der Filmaktivitäten, die den Begriff von München als Filmstadt, als Kinostadt inspirierend am Leben erhalten.

Aber auch das reguläre Kinoprogramm hat aufregende Neuheiten parat! Ein Australier hat sich den Begriff der Unzertrennlichkeit von Paaren recht physisch vorgenommen. Die Südeuropäer verlustieren sich am Krimi um einen Ölschinken, dessen Schätzpreis einen sprachlos macht. Die Deutschen nehmen sich humorvoll das immer noch latente Ossi-Wessi-Vorurteil vor. Die Amis holen einen alten Erfolg hervor und aktualisieren ihn. Die Österreicher, resp. einige Österericherinnen, richten sich mollig ein in ihrer satirischen Weltbetrachtung. Die Franzosen gehen trotz oder gerade wegen ihrer Weinkultur mit gewohnt gekonntem Kinogestus der Alkoholsucht auf den Grund – bis zur Neige? Auf DVD belohnen zwei unterschiedliche Helden die Aufmerksamkeit: eine Schweizer Krankenschwester opfert ihre letzte Energie ihren Schützlingen und ein Kinomacho der Sonderklasse wird in Mexiko so schwul, schwuler geht nicht. Im Öffentlich-Rechtlichen gibt sich ein junger Schwuler aus Skandinavien in Berlin zügellos seinem Lustleben hin.

Kino

TOGETHER UNZERTRENNLICH
Das Paarparadox

ECCE HOMO – DER VERLORENE CARAVAGGIO
Ein Jahrhundertglücksfall

WILMA WILL MEHR
Mehr Westen! Mehr Wien!

DIE NACKTE KANONE
Da sind schon viele bewährte Gags dabei und gekonnt gebracht.

ALTWEIBERSOMMER
Wenn die sich selber schon so bezeichnen …

DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE
Ein Film gegen die Alkoholsucht von Frauen

Event
73. MÜNCHNER FILMKUNSTWOCHEN
Ein starkes Votum fürs Kino mit wachsender Strahlkraft über die Gemarkung der Stadt hinaus.

DVD
HELDIN
Da versteht man, warum keiner als Pfleger im Krankenhaus arbeiten will.

QUEER
Ein Ex-James-Bond in warmen Gefilden

TV
DRIFTER
Ein junger Schwede entdeckt das schwule Berlin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert