Ostpreußen-Film-Footage
bis etwa zum Ende des Zweiten Weltkrieges hat Hermann Pölking mit an Wissenschaftlichkeit grenzender Akribie gesammelt und kompiliert.
Der Film ist ein Eldorado an Fundstücken aus diesem einzigartigen Landstrich im politischen Spannungsfeld zwischen Deutschland, Polen, Russland an Memel und Weichsel mit Raritäten aus dem ersten ersten halben Jahrhundert der Filmgeschichte.
Es ist ein völlig anderer Filme als die Dokumentationen von Volker Koepp (zB Grenzland), der mehrfach die Region vor allem über die Menschen porträtiert hat.
Es ist ein Film, der sehr präzise Angaben macht zu den Filmern, den Kameras, dem Filmmaterial, das sie verwandten, zu Formaten und Hintergründen, also den Anlässen, die Filme zu machen. Der Film ist auf seine Art ein ganz spezielles Stück Filmgeschichte.
Er gibt aber auch spannende Einblicke in das Leben, in den Lebensstandard, die Landwirtschaft, die Fischerei, die Lebensart von Herrschaften, den Seen- und Ostsee-Tourismus und auch aus den Kriegszeiten gibt es aufschlussreiches Material, hat sich doch das geheime Hauptquartier von Führer und Massenmörder Hitler dort versteckt befunden; ein Naziminister hatte für sein Landhaus sogar einen eigenen Bahnhof bauen lassen; davon gibt es Clips genauso wie von einem Besuch des ‚Führers‘ inklusive Blick von oben aus dem Flugzeug mit ihm. Weiteres Footage vom Krieg, später von Soldaten selbst gedreht; Flüchtlingstrecks, einrückende Soldaten, geschlagene Soldaten auf dem Rückweg; Züge zur Front; Szenen aus dem Krieg, aus Kälte und Schnee.
Der Film dürfte vor allem interessant sein für Leute, die einen Bezug zu dem Landstrich haben, denen Orts-, Fluss- und Gegendnamen vertraut sind. Wer diese Kenntnis nicht hat, der schwimmt ab und an in der Menge von Informationen und Namen, dem wäre ein Landkarte am Anfang des Filmes sicherlich hilfreich.
Zuerst gibt es auf Schwarzbild Sprachaufnahmen aus historischer Zeit zu hören. Die frühen Flugaufnahmen aus der Region nehmen in Deutschland eine Pionierstellung ein. Angenehm ist der Verzicht auf Talking Heads, auf Experten, die ihren Senf dazu geben. Die sachdienliche Informationen zu den Clips kommen wechselweise von einer Frauen- und einer Männerstimme. Diese Texte orientieren sich an der Qualität von Infotexten einer sorgfältig kuratierten Ausstellung.