# Schwarze Schafe

Midlife-Crisis 2.0
des Berliner Miliöhs
,

das hat auch eine Stimme, die von Katharina Thalbach, die als Erzählerin fungiert, und in den Eingeweiden von Berlin stochert.

Dieses Berlin ist ein Berlin der Klamotte, das sich über sich selber lustig macht und frisch ist, als ob Oliver Rihs (Affenkönig, Bis wir tot sind sind wir frei) nach dem Drehbuch von Oliver Keidel (Drehbuch zu Curveball), Melanie Möglich, Zirka Riemann (Lollipop Monster, Get Lucky – Sex verändert alles) und seine muntere Mannschaft sich die Kinohörnchen grad erst abstoßen wollen. Es kommt sorglos und munter daher, quasi subventionsbefreit, mit kurz und schnell aneinandermontierten Berlin-Impressionen als Zwischenschnitten, mit einer zillehaften Apotheose am Ende, wo es endlich regnet, als hätte Gott die Klamotte erhört, Regen, der von Tom Tykwers Berlin-Film Das Licht geborgt worden sein könnte.

Die Hitze ist ein Problem. Das spricht sich bis zum Halbweltboss Omar (Yasin El harrouk) durch, weil er ein wokes Töchterchen hat. Konsequenterweise steigt er von seinem Hummer auf die Rikscha um und will dass der Rapper Amir (Amer El-Erwadi) einen Öko-Rap produziert, der auch prompt im Film landet.

Es ist eine fertige Welt, Leute, die einerseits fertig sind mit der Welt, die andererseits nicht aufgeben und voller Lebensenergie in ihrem Milieu strampeln. Da ist Frederik Lau als ein Balkonimker mit ständig zerstochenem Gesicht. Er lebt mit Jella Haase. Die bastelt unförmige Sexualaufklärungspuppen, die die moderne Drei- und Mehrgeschlechtlichkeit anschaulich verkörpern. Sie will sie in einem Spielwarenladen verhökern.

Im Spielwarengschäft kulminieren und explodieren die Erzählstränge und verwickeln sich neu. Eine Frau wird beim Klauen erwischt. Die beschuldigt den Inhaber der physischen Übergriffigkeit. Omar ist gerade im Laden, mischt sich ein. Gerangel, SEK, etc, bewährte Komödien- und Verwechslungssituation. Aus der entspinnt sich die weitere Geschichte.

Die zwei Frauen schnappen sich die Goldene Kreditkarte von Amir, machen sich eine Sause in Berlin, inklusive Callboys im Luxushotel, Anlass für weitere Verwirrsituationen, ist alles nicht wie es ausschaut. Die Diebin ist die Freundin vom Milan Peschel, der ein Krabbenfischer in den trüben Berliner Gewässern ist und einen Stand auf einem Ökomarkt möchte.

Die Storyfäden ver- und entknoten sich. Hauptsache, es kann cineastisch, darstellerisch, ausstattungs- und situationsmäßig auf die Pauke gehauen werden. Berlin ist alleweil eine Umdrehung der Werte wert. Die Armen müssen mal reich sein können und ohne Erpressung geht auch auf dem Ökomarkt im Word Trash Center nichts.

Berlin ist so besehen ein Kaff, bei dem jeder immer wieder jedem über den Weg läuft, weil’s so heimelig ist, weil die gleichen Überlebensstrategien die Menschen verbinden. Weil keiner todernst böse ist und jeder über die eigenen Füße strauchelt und wenn mal einer vor lauter Bienen sich vom Hochausbalkon stürzt, so gibt es noch die Deutschlandfahne eine Etage tiefer … und überhaupt ist Berlin in Flammen. Wer noch nicht genug hat davon, dem wird die Serie zu dieser abgefuckten Berlin-Liebeserklärung aus krassen Miniaturen in Aussicht gestellt, die voraussichtlich weiterhin lustvoll die Freiheit des Nicht-Gelingens und des Nicht-Gelungenen zelebrieren wird. Hatschi statt Hashtag.

(Ein Satz der mir im Nachhinein eingefallen ist, was aber noch zu prüfen wäre: Manchmal entstehen so Gruppendynamik, wo plötzlich alle anfangen, gegen den Wind zu blöken).

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