Leonora im Morgenlicht

Verschlossenheit und Kunst

Offenheit und Verschlossenheit gehen in der Kunst mitunter eine eigenartige Symbiose ein. Einerseits will Kunst offenbaren, offenlegen, hineinschauen in die Tiefen des Seins, andererseits können Künstler selber sehr verschlossen sein.

So jedenfalls stellt Olivia Vinall Leonora Carrington dar. Sie muss Furchtbares erlebt haben, schon als Kind. Der Film wirft dazu kurze Blicke zurück auf das englische Schloss, das Personal, den dunklen Park. Eine Hyäne ist ein Angstkapitel, das Leonora in Momenten des Darniederliegens martert.

Leonora gerät in den 30ern des letzten Jahrhunderts in die Surrealisten-Kreise in Paris, hat eine Liaison mit Max Ernst (Alexander Scheer). Er pflegt parallel auch andere Beziehungen. In der Nazizeit wird er in Frankreich verhaftet. Leonora flüchtet mit Freundin Remedios Varo (Cassandra Ciangherotti) nach Spanien.

Später lebt sie mit dem Ungarn Chiki (Istán Téglás) in Mexiko. Hier legt Edward James (Ryan Gage) einen wundersamen Dschungel-Paradiesegarten an, hier scheint sie ab den spätern 40ern ihr Familien-Glück gefunden zu haben.

Es gibt Phasen der Unterbringung in der Psychiatrie. Die Künstlerin ist nicht nur verschlossen, sie ist auch unberechenbar, das zeigt eine Vernissage mit Bildern von ihr in Mexiko.

Der Film von Thor Klein und Lena Vurma nach dem Roman von Elena Poniatowska, Frau des Windes, beschäftigt sich nicht zuerst mit der Kunst der Protagonistin. Ähnlich wie im Film über Niki de Saint Phall steht die Traumatisierung der Künstlerin im Zentrum. Von der Kunst selbst, so wie im Saint-Phalle-Film, ist wenig zu sehen.

Im Gegensatz zum Film über Die Bonnards, der sich über die Banalitäten des Alltags und der Schönheit der Provence seinem Künstler nähert, wird viel, gerade unter den Surrealisten, über Kunst diskutiert. Am Ende wird eine Beziehung zur Urkultur von Mexiko hergestellt. Es wird auch erwähnt, dass es eine Opferkultur war (die Menschenopfer müssen grausam gewesen sein); insofern bleibt ein Erklärungslücke zum Satz im Abspann, dass sie zu einer neuen Form weiblichen Spiritualismus‘ gefunden habe.

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