Karli & Marie

Komödien-Lebensweisheitsambition

Der Film von Christian Lerch nach dem Drehbuch von Ulrich Limmer und redaktionell BR-betreut von Carlos Gerstenhauer will viel. Er will auf der Schiene bayerischer Filme Erfolg einfahren. Er will bekannte Schauspieler (Sigi Zimmerschied als Karli, Luise Kinseher als Marie) zu richtigen Filmstars machen. Er will, so zeigt es die mit Formel-1-Power gestartete Anfangsszene, eine hammerharte Komödie der Gegensätze und des Nichtkorrekten auf die Leinwand bringen. Er will seine Figuren menschlich machen mit ihnen in den Mund gelegten Lebensweisheitsaphorismen. Er möchte ein unterhaltsames Roadmovie und dabei auch noch irgendwie zeitkritisch sein. Und er möchte Werbung machen für die schöne Gegend von Wasserburg am Inn in Bayern bis nach Innsbruck. Für die Innsbruckbilder bedient er sich an einem „Stock“ von offenbar vorgefertigten, abrufbaren Bildern.

Der Anfang des Filmes hat erstklassige Rasanz und Explosivkraft und könnte von Billy Wilder stammen. Während Karli dabei ist, einen Bankoautomaten zu manipulieren, indem er ihn sprengen will, verliert Marie die Kontrolle über ihren kinoherrlichen Oldtimer von Ford Taunus, die Besetzung dieses Gefährts ist ein Bekenntnis zu einem 70er Jahre Filmromantizismus. Sie fährt Karli an. Umstandslos entsteigt sie mit ihren absurd hohen Absätzen dem Wagen, auch dies ein Hinweis auf die große, amerikanische Kinoambition, nimmt ihn umgehend mit nach Hause. Sie versorgt ihn, seine Wunde und sich mit Alkohol, das ist beste Bauerntheatermanier.

Das reicht nicht, Marie baut Karli gleich ein in ihr Leben. Schon am nächsten Morgen muss er, der von einer abenteuerlichen Vita als Sprengstoffspezialist in Afghanistan schwadroniert, Empfangssekretärin spielen. Wie er den Kaffee für ihren ersten Besuch zubereitet, na dann zum Wohl! Er soll sie bei ihrem Ausflug nach Innsbruck begleiten.

Ihre Geschäfte sind so wenig seriös wie seine. Sie hat von ihrem Mann eine Baufirma geerbt, in desolatem wirtschaftlichen Zustand. In Innsbruck will sie für Bestechungsgeld einen Auftrag angeln.

Der Ford Taunus fährt los und die so furios gestartete Komödie gerät ins Stottern, weil sie jetzt Bildung signalisieren will mit einem nicht als solchem kenntlich gemachten Brechtzitat aus der Dreigroschenoper. Und sowieso mit vielen, fürs Fernsehen typischen Erklärsätzen und auch moralische Themen wie Lüge und Wahrheit müssen andekliniert werden.

So verstehen’s halt die weisungsgebundenen öffentlich-rechtlichen Redakteure, die das finanzieren, und so dürfte es kaum einen Zuschauer hinterm Ofen oder aus dem Biergarten hervor ins Kino locken. So versackt der große Kinostart auf dem Staubweg des Regionalen: Aphorismen statt Komödienmechanik. Gift für die Leinwand.

Wie beim dick auftragenden Fernsehen üblich, wird bald schon klar, dass die beiden einsame Seelen sind, glauben, der Weg sei das Ziel, und es müssen also Szenen ins Drehbuch geschrieben und nachher verfilmt werden, in denen sie sich zart annähern, Verständnis gerierend. Das wirkt gerade auch wegen der bewährten Einfälle reichlich absehbar und gewollt, so als versuchten die Darsteller, dem Happy End ja kein Hindernis in den Weg zu legen, ebensowenig wie Regie und Drehbuch. Überraschungen bleiben aus, auch beim übrigen Cast dominiert das solid Handwerkliche, mehr ist nicht. Fürs Kino ist das zuwenig. Und irgendwann, mittemang, taucht Marie mit einer völlig veränderten, buschigen Lockenfrisur auf, ohne jede Erklärung, hier, wo eine nottäte.

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