King Zwerg
Nach ellenlangen Sonneneruptionen lässt Vahid Vakilifar einen einleitenden Text über die Leinwand flimmern: „And the sun left the skies to take refuge in the underworld. So, all light left the earth and the world drenched in perpetual darkness. Thereafter, people carried on with half-open eyes, swinging between dream and reality as madness took them over.“
Es folgt die symbolträchtig aufgeladene, kunstinstallationshafte Schilderung der eingangs erwähnten Madness. Wegen der Lichtgeschichten, wegen dem dominierenden Schlaglicht tragen die Menschen, die Darsteller Sonnenbrillen, die wie 3-D-Brillen mit Kartonrand aussehen. Es ist die Schilderung eines absolutistischen Staates, aus dem es kein Entkommen gibt.
Die uniformierten Gefangenen in oliven Ganzkörperoveralls. Sie müssen exerzieren, Übungen machen, anstehen fürs Essen. Es gibt genügend Symbolik für absolute und selbstverständlich willkürliche Macht, die Hundezwinger, der Gefangene im Käfig, der Fleischerhaken, der Fleischwolf, die sterilen Schergen der Macht mit Feuerwaffen und in weißen Ganzkörperanzügen und in Stiefeln, Brainwashtexte der Gefangenen.
Die Macht selbst ist der hässliche Zwerg Kiumar mit irgendwie weisen Augen, der oft groß im Bild ist und eher wie ein Prophet aussieht, er residiert in einer hell erleuchteten Glaspyramide, deren Wände für Projektionen genutzt werden.
Eine Hauptfigur ist Mitra (Marjan Sadeghi) mit einer großflächigen Brandnarbe auf einer Gesichtshälfte. Ihr Mann ist der Gefangene im Käfig. Er ist impotent. Sie lässt sich, wohl gezwungenermaßen, vom Zwerg ein Kind machen. Aber ihr Mann zieht die Käfigexistenz einem erzwungenen Geständnis vor.
Mitra ist die Kümmerin schlechthin. Da ist auch noch ihre Mutter (Fatemeh Mortazi). Deren Röcheln wird im Film kunstvoll überhöht und in die Länge gezogen. Den anderen Kunstsound erzeugen klassische Streicher mit moderner Musik.
Einmal liest Mitra Kiumar eine Art Schöpfungsgeschichte vor aus einem alten handgeschriebenen, sorgfältig in Tücher eingepackten Buch.
Die Geschichte der Beziehung der vier Hauptfiguren untereinander steht stellvertretend für einen Resthumanismus, der sich bei aller Hoffnungslosigkeit, bei aller Härte des Systems, erhalten hat, auch wenn es aus der Gesamtsituation kein Entrinnen gibt. Da trifft sich Schicksalshaftigkeit mit Schicksalshaftigkeit, die Unumstößlichkeit von Sonne und Macht. Das zu untermalen gibt es ein Feuer- und Fakelritual. An einer Stelle bekommt das Ganze einen Namen: Iran K 9.