Moria Six

Stimmungsbilder um ein Unrecht

Der Brand des Flüchtlingslager Moria, ein Fanal für die europäische Flüchtlingspolitik, elektrisiert die Filmstudentin Jennifer Mallmann. Vor allem beschäftigte sie, dass die Brandstifter, die auch im oben verlinkten Wikipedia-Artikel als gesetzt gelten, allein aufgrund einer einzigen Zeugaussage verurteilt worden sind.

Es sind 6 junge Männer aus Afghanistan. Zu einem von ihnen, Hasan, hat die Dokumentaristin Kontakt aufgenommen. Der Brief- oder Mailwechsel mit ihm Voice-over gesprochen ist ein Bestandtteil des Filmes.

Darum herum sind Stimmungsbilder versammelt von der Insel Lesbos, Ruinen aus dem abgebrannten Flüchtlingslager, Bilder mit zurückgelassenen menschlichen Habseligkeiten, geschmackvolle Standfotografie, auch immer wieder das Meer und symbolisch eine leere Bank davor.

Es gibt einen Besuch in einem modernen mit Hightech eingerichteten und überwachten Flüchtlingslager, es gibt Footage von illegalen Pushbacks.

Ein Touristenführer und Seenotretter kommt zu Wort, Anwältinnen, eine NGO-Mitarbeiterin, ein Lagerleiter („We have a nice view every day“) und Hasan selbst ist zu sehen bei einem Freigang ans Meer oder auf dem Weg zum Gericht.

Die Musik gibt einem mit ihren dunklen Tönen bei manchen Bildern zu verstehen, dass ein schlechtes Gewissen angebracht wäre. Und das ist es ja auch für uns Menschen, die im Speckgürtel der Welt leben, in einem unglaublichen Wohlstand, jetzt mal unbesehen von den Problemen, die auch wir haben, diese offenbar unvermeidliche Schere zwischen Arm und Reich. Aber dass vieles von unserem Luxus mit der weltweiten Ungleichheit zu tun hat, ist wohl nicht abzustreiten, und dass diese Ungleichheit, auch die sich ausbreitenden Unweltkatastrophen einerseits, diktatorische Regimes andererseits und auch Armut die Menschen zur abenteuerlichen Flucht treiben. Über diese Problematik lässt sich trefflich nachdenken bei dem sehr meditativ gehaltenen Film.

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