Aufpeppen eines Alltags
Lilo ist ein keckes Mädel, noch vor der Pubertät, lebt auf dem paradiesischen Hawaii. Ihr Alltag ist nicht sonderlich lustig. Sie lebt mit ihrer erwachsenen Schwester, denn die Eltern sind gestorben. Armes Waisenkind. Allzu viel ist nicht zu erfahren über die beiden Figuren, was ihre Sehnsüchte, ihre Träume, ihre Ziele, ihre Gedankenwelten sind. Braucht man wohl auch nicht auf Hawai. Das Jugendamt schaut besorgt auf den offensichtlich nicht vorbildlichen Haushalt der beiden. Das ist eine Gefahr.
Gegen das Alleinsein und gegen Ängste, gerade auch beim Heranwachsen, gibt es das probate Mittel des imaginierten Freundes, der gerade auch beim weiblichen Coming-of-Age hilfreich sein kann. Darüber gibt es sogar einen Film: If: Imaginierte Freunde.
Beil Lilo ist die Pubertät noch kein Thema. Sie holt sich aus dem Tierheim den merkwürdigen Stitch. Der Zuschauer weiß da schon mehr über Geschichte und Herkunft dieses kleinen Wichtes, der sowohl gut als auch böse sein kann, der vor allem einen nicht zu bändigenden Hang zu wilden Streichen hat. Man könnte vermuten, je öder ein Alltag ist, desto größer der Kompensationsbedarf durch Flegeleien.
Es gibt in dem Film zwei Welten. Die reale Hawaikomponente mit den allzu bekannten Hawai-Bildern von Strand, Hütten, Urlaubern und reich gedeckten Tafeln, Palmen und Surfwellen – untermalt mit entsprechenden Folkloreklängen. Sie wirkt im erwähnten Kontext besonders steril und aufmotzwürdig. Dafür sorgt die andere Welt, die Alien-Welt aus fernen Galaxien mit Fantasiefiguren, denen die kunstgeschichtliche Inspiration bis hin zu einem Hieronymus Bosch anzusehen ist. Sie wirken aufrührend und Verwirrung stiftend in die Menschenwelt hinein, vor allem fordern sie Stitch zurück, der inzwischen zum Freund von Lilo geworden ist.
Auch die Menschenfiguren um die Protagonisten herum sind überraschend unterkomplex geschildert, sie werden jedoch mit viel Actors-Need und sonnig vom pointierten, aber überraschungsfreien Cast dargeboten.