Akribische Familienstudie
In sorgfältigem Schwarz-Weiß wird die Problemkonstellation der Familie Emmerich wie in einer Studie aufgefächert.
Holle (Jenny Schily) ist die Kümmerin um die Eltern und den schizophrenen Bruder Sven (Jens Brock), der noch bei den betagten Eltern (Manfred Zapatka und Ursula Werner) im kleinbürgerlichen Einfamilienhäuschen lebt.
Holle lebt mit ihrem Mann Dieter (Johannes Zeiler) in einem eigenen Haus. Sie betreibt eine therapeutische Praxis und muss sich selbst in einer Beratungsstunde sagen lassen, ob sie sich nicht zu sehr um die Situation zuhause kümmere.
Bruder Sven lebt im Haus seiner Eltern sein absolut eigenes Leben, gemeinschaftsfeindlich, es kommt dauernd zu Konflikten mit dem Vater; medizinische Beratung und Behandlung lehnt er ab. Er ist das schwarze Schaf.
Die anderen Geschwister Frauke (Kirsten Block) und Niels (Peter Schneider) zeigen wenig Neigung, sich mit den Familienproblemen zu belasten.
Die Themen der Familie werden in diesem Film von Tim Ellrich bei Alltagssituationen abgehandelt, beim Essen, beim Kochen, beim Bügeln, beim Einkaufen, bei Kaffee und Kuchen, aber auch in Sprechstunden mit Fachleuten. Die Familie will den Zustand von Sven nicht wahrhaben und auch nicht, dass Handlungsbedarf besteht. Es ist das Konstrukt einer freudlosen Familie vor dem Hintergrund eines Satzes von Max Weber über Konvention.