Dem Tod ins Auge schauen
Wie können wir das Sterben am besten überleben, ist eine der Fragen, die sich bei den vielen Sofagesprächen mit Verwandten, Freunden, Nachbarn, Bekannten einmal stellt; deren Ironie gleich festgestellt wird; die aber gleichzeitig auch auf den Humor des Protagonisten Röbi Widmer-Demuth oder sein hintersinniges Denken hinweist.
Dieses Denken hat sein Leben bestimmt, hat ihn zum unangepassten Bürger werden lassen, zum Sozialarbeiter, zum Aktivisten, der noch als Totkranker mit seiner Frau Heidi an einer Friedensdemo teilnimmt.
Dieses Denken hat zu einem unkonventionellen Leben geführt, das für die Kinder oft auffällig und peinlich wurde. Das zeigen Aufnahmen von Super 8 Filmen, die Röbi selber gedreht hat; oft hat er wie verrückt rumgeturnt, gekaspert, in bunten Kostümen.
Als Sozialarbeiter hat er mit Ernst Sieber und der Arbeit mit Obdachlosen in Zürich Aufsehen erregt. Auch da hat ihn schon das Thema Tod beschäftigt.
Der Film von Christian Labhart (Giovanni Segantini – Magie des Lichtes), der mit Heidi Schmid auch das Drehbuch verfassst hat, ist nicht nur ein Porträt dieses Individualisten, wirft nicht nur einen Blick auf ein Stück Schweizer Sozialgeschichte, er ist auch das Porträt einer ungewöhnlichen Beziehung zu seiner gehbehinderten (Hüftgelenkluxation) Frau, die ebenfalls Sozialarbeiterin war und dieser Familie, die immer im gleich Haus in Robenhausen an einem idyllischen Schweizer See wohnt.
Zudem ist er ein ungewöhnlicher Beitrag zum Exit-Thema, denn der Protagonist hat mit 77 Jahren und unheilbar krank diesen Weg zur Beendigung seiner Leiden gewählt.
Auf der Tonspur dominieren Johann Sebastian Bachs Goldbergvarianten. Als Zwischenbilder sind Landschaftsaufnahmen gewählt aus der Gegend um Robenhausen, die bestens als Trauerkartenmotiv funktionieren würden. Der Film ist auch als Abschieds- und Erinnerungsfilm zu verstehen.