Über die Hühner etwas über die Menschen erzählen
Das Huhn ist sprichwörtlich auf der humoristischen Seite anzusiedeln, vom blinden Huhn, das auch mal ein Korn findet über die Hühner, die lachen bis hin zum Herumlaufen wie ein aufgescheuchtes Huhn.
Ganz humorfrei wollten Marco La Via und Hanna Ladoul, die mit Julius Schultheiß auch das Drehbuch geschrieben haben, ihre 3-Generationen-Frauen-Betrachtung auch nicht angehen. Sie haben für ihr Kammerspiel, das um die Sprachlosigkeit und Entfremdung von Müttern zu Töchtern zentriert ist, das Haus von Laura Sanders (Andrea Risebourough) mit zugehörigem Garten, Stall, Landstück als Location ausgesucht.
Hier pflegt Laura eine Art Gnadenhof für Hühner, bewahrt diese vor der Schlachtung, weil sie nicht mehr so viele Eier legen, und sie hat ein kleines, feines Gemüsegärtlein. Sie lebt allein, lebt vom Verkauf der ökologischen Eier mehr schlecht als recht.
Drei wunderbare Hühner, die bereits in hohem Alter sind, sind ihre Wohngenossen. Die haben alle Namen und eine persönliche Beziehung zu ihr. Die paar Dutzend jüngeren Hühner, die noch legen, sind in einem Stadel nebenan untergebracht, haben Auslauf und werden mit Körnern gefüttert.
Tochter Charlie (Morgan Saylor) lebt nicht mehr bei der Mutter, sie studiert. Weil es Mutter schlecht geht, sie dürfte Krebs haben, so genau wird das nicht benannt, kommt Charlie zu Besuch. Sie hatten sich offensichtlich nie viel zu sagen, weil sie auch nicht das Gefühl hatten, viel fragen zu müssen.
Unweigerlich kommen sie ins Gespräch, das scheint nicht Programm zu sein, eher unausweichlich. Es geht wegen der Chemo auch um das Kahlscheren des Kopfes. Dabei haben beide so wunderschön rote Haare.
Unverhofft trifft Solange, die Mutter von Laura und also Charlies Großmutter ein. Sie lebe in Frankreich. Es ist Catherine Deneuve, diese Ikone des französischen Kinos. Sie kannte ihre erwachsene Enkelin überhaupt nicht.
Charlies Überraschung, eine Oma zu haben, die sich ausbreitende Vogelgrippe mit dem Keulgebot, sowie das Gefühl der älteren und der jüngeren Frau, diese Info vor Laura verheimlichen zu müssen, hält den dramaturgischen Motor am Laufen, bringt die drei Frauen einander näher und hält Amüsantes für den Zuschauer bereit.
Der Film ist behutsam und unprätentiös gedreht; nie entsteht der Eindruck, die Darsteller würden für die Kamera posieren, eher derjenige, dass sie die Kamera freundlicherweise zuschauen lassen. Dadurch wird der Zuschauer beinah schon in Komplizenschaft mit den drei Frauen gezogen. Männer kommen auch vor. Sie lassen die Frauen nicht kalt.