Sing Sing

Als Sing Sing wird ein Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von New York bezeichnet. Dies als Filmtitel zu nehmen, könnte im seriösen Dokumentarfilmgenre wie von einem Frederick Wiseman bedeuten, dass versucht wird, einen systematischen Eindruck der gesamten Institution zu vermitteln.

Die Erwartung kann der Film von Greg Kwedar nach dem Drehbuch von John H. Richardson, Brent Buell und Clint Bentle nicht einlösen; der Titel ist sozusagen eine Nummer zu groß. So überdimensioniert wie manche Namen im Abspann, aus dem ersichtlich ist, dass dem Film eine gute Portion Dokumentarisches innewohnt, spielen doch viele der Darsteller, ehemalige Gefangene von Sing Sing, sich selbst.

Treffender und präziser wäre wohl gewesen: RTA in Sing Sing: Rehabilitation through Art. Das ist ein soziales Projekt, in welchem Theatermenschen mit Gefangenen Aufführungen erarbeiten. Der Film selber wirkt wie ein Pitch für diese Methode. Er will zeigen, dass auch Gefangene nur Menschen mit Gefühlen sind, dass sie Talente haben.

Im Abspann gibt es Ausschnitte von solchen Aufführungen, die allerdings nicht unbedingt auf eine erstklassige Regie schließen lassen; was solls, es geht um die Aktivität.

Der Film selber folgt impressionistisch dem Faden der Entstehung einer Aufführung. Der Cast ist eine Mischung aus Profis und Ex-Gefangenen. Es gibt Gespräche darüber, was für ein Stück man erarbeiten will. Der Regisseur selber schreibt über ein Wochenende ein Konvulut mit Rollen für alle, eine Zeitreise, die eine bute Vielfalt an Kostümen und Epochen umfasst. Es gibt Einblick ins Casting und in den Probenprozess.

Die Kamera ist fahrig, wirkt, als sei sie nicht so recht vorbereitet, als wolle sie sich von dem verführen lassen, was sich ergibt. Ein Schwerpunkt liegt bei Shakespeare, Sommernachtstraum oder auch der Hamletmonolog, den vor kurzem Adam Driver in Megalopolis grandios wie aus der Kniekehle abgeschossen hat.

Theater mit Gefangenen und verbunden mit einer Abenteuergeschichte brachte publikumsfreundlich der französische Film Un Triomphe, der es sogar zu einem italienischen Remake gebracht hat (Alles nur Theater?).

Es gibt einen Film über ein ähnliches soziales Projekte mit Flüchtlingen in Griechenland: Picknick in Morial – Blue Red Report. Und auch hier scheint es, als sei der Film eine Art Exploitation der sicher sinnigen Arbeit mit den Gefangenen, die immer wieder Zeit finden für grundsätzliche Gespräche, einmal über das Theaterspielen selber, dann aber auch über die Vorbereitung auf eine Anhörung, die Frage, was nach der Entlassung sei.

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