Mann mit Identitätsproblemen
Die Idee ist verführerisch, einen Film zu machen nicht über einen Mann ohne Eigenschaften, das wäre ja Diebstahl bei Musil, sondern über einen Mann mit Identitätsproblemen.
Ein Mann also, Matthias heißt er und wird gespielt von dem wunderbaren Schauspieler Albrecht Schuch. Dieser Mann in dem Film von Bernhard Wenger wird nun aber nicht Schauspieler, was eine naheliegende Lösung wäre, er findet eine Anstellung bei der Firma My Companion. Ein Film mit ähnlichem Titel ist kürzlich in den Kinos angelaufen: Companion – Die perfekte Begleitung. Dort ging es um künstliche Menschen.
Hier können die Kunden einen Menschen in der Rolle mieten, die sie gerade brauchen, als Vorzeigesohn, als Begleiter, nicht aber als Coach, wie bei einer Anfrage zu erfahren ist. Er wird sich der verzweifelten Frau als Sparringpartner zur Verfügung stellen, damit sie endlich lernt, ihrem Mann zu widersprechen. Diese Aktion zeitigt negative Folgen, als die Frau sich von ihrem Mann trennt, der Mann die Spur zu Matthias findet und diesen nun stalkt.
Hinzu kommt eine Beziehungskrise des Protaginisten, seine Frau zieht aus, was ihn zum Weinen und Haltsuchen an seinem Geschäftspartner bringt.
Vielleicht hätte Bernhard Wenger seinerseits gut daran getan, vor dem Drehen bei so einer Agentur einen Drehbuchkritiker zu bestellen, der ihn auf mögliche Probleme der filmischen Umsetzung der reizvollen Idee aufmerksam gemacht hätte. Der ihm vielleicht die Frage hätte stellen sollen, wieso sich der Zuschauer für diese Befindlichkeit des Protagonisten überhaupt interessieren soll. Es gibt ja viele Menschen, die in ihrer Identität sich nicht glücklich fühlen. Der ihn vielleicht darauf hingewiesen hätte, dass der Gag mit den Bewertungen in Relation zur Tiefe des angestrebten Themas doch viel zu breit oder auch zu wenig analysiert vorkommt.
Der ihn vielleicht gefragt hätte, was denn der filmkünstlerische Mehrwert des Szene im Theater sei. Hier sitzt der Protagonist im Publikum, auf die Bühne kommt ein splitterfasernackter Mann, der bespritzt sich mit Farbe, springt mit voller Wucht gegen eine weiße Wand und hinterlässt dort seine Farbabdrücke.
Hier wird es Matthias übel. Er sitzt (mit wem?) mitten in einer Reihe und quetscht sich dann, so als ob er kotzen müsse, durch die ganze Reihe, die endlose Reihe, am Ende macht er kehrt und drückt sich zurück in Richtung anderes Ende. Wenn ein Danebenbenimm so viel Raum einnimmt, was will uns der Filmemacher damit erzählen?
Auch als Warmup für die Danebenbenimmszene bei der späteren Rolle als Sohn eines erfolgreichen Jubilars ergibt das wenig Plausibilität. Die Szenen kommen zu breitfüßig daher, das Thema des nicht bestellten Installateurs oder das des Miethundes und auch die Story mit der Skandinavierin sind wenig ertragreich, zum Thema der Identität tragen sie nichts bei.
So bleibt Schuch nicht viel anderes übrig, als konsequent den schüchternen Schuch – immer an der Grenze zum gutmütigen Trottel – zu spielen, das ist durchgehend sympathisch, aber nicht abendfüllend. Es fehlt auch vollkommen der Humor und damit die Menschenliebe. Meine Bewertung? Garantiert nicht gut.