Die Wärterin

Jemanden auf dem Kieker haben

Die verbissene Gefängnis-Wärterin Eva (Sidse Babett Knudsen) hat den wegen Totschlages im Gefängnis eingelieferten Häftling Mikkel (Sebastian Bull) auf dem Kieker. Sie lässt sich extra in dessen Abteilung, das ist diejenige für die ganz harten Fälle, versetzen. Nur um den Typen zu schikanieren.

Der Vorgang des Schikanierens ist hochaktuell und schauderhaft. Grade machten in Bayern Misshandlungen in einem Augsburger Gefängnis ihren Weg durch die Gazetten. Und es ist weder schön noch angenehm, zuzuschauen, wie ein Mensch einen anderen, der ihm schutzlos ausgeliefert ist, traktiert.

Der Zuschauer des Filmes von Gustav Möller, der mit Emil Nygaard Albertsen auch das Drehbuch geschrieben hat, sucht nach dem Motiv der Frau, die bei einer Besprechung mit dem Chef behauptet, keine Kinder zu haben.

Der Film spielt in Skandinavien und hinterlässt keinen übermäßig guten Eindruck vom Strafvollzug im Norden. Auch wenn die Wärterin sehr weit geht mit ihren Misshandlungen diesem einen Häftling gegenüber, so wird sie doch von der Anstaltsleitung gedeckt.

Sicher bewegt den Zuschauer die Frage nach der Motivation. Die wird dann auch gelöst.

Einmal geht Eva zu weit, traktiert Mikkel so sehr, dass er Verletzungen davon trägt und die Möglichkeit einer Klage besteht. Er bekommt Besuch von seiner Mutter. Da könnte sich eventuell etwas zwischen ihr und der Wärterin tun. Dann erpresst er diese mit der Möglichkeit der Anzeige, da gibt es ebenfalls ein leichte Annäherung, der durch Gewalt und einseitige Macht verbundenen Figuren. Das reicht jedoch nicht aus, um einen befriedigenden Eindruck zu hinterlassen, dem Zuschauer selbst wird ein Gefühl der Ohnmacht vermittelt. Über die Sinnigkeit des Wegsperrens von Menschen darf einmal mehr nachgedacht werden.

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