Hundschuldig

Eigengewächs von der Universität Appenzell

Nein, die gibt es natürlich nicht, diese Universtät, nicht in Appenzell, in Appenzell gibt es keine Universität. Die ist im Film von Laetitia Dosch, die mit Anne-Sophie Bailly auch das Drehbuch geschrieben hat, eine Erfindung und ein Hinweis auf die Art Ironie, gar Selbstironie ihrer Erzählung. Diese Distanzierung vom Eigenen macht sich oft auch auf der Musikspur mit einer Art von Juxtönen bemerkbar.

Der Film ist vielleicht auch so ein Eigengewächs, das sich in keiner Weise anzubiedern versucht. Die Regisseurin und Drehbuchautorin spielt als gelernte Schauspielerin selbst die Hauptrolle in ihrem Film. Das ist die Anwältin Avril Lucciani. Sie lebt in einer französischsprachigen Kleinstadt am Genfer See (könnte Genf sein, da in einem anderen Scherz die Rhône vorkommt). Sie ist spezialisiert auf hoffnungslose Fälle und verliert dementsprechend chronisch.

Das muss sich ändern, meint ihr Chef. Und prompt ergibt sich dramaturgisch sinnig eingebettet ein solcher Fall, den sie unbedingt gewinnen will. Sie soll die Verteidigung von Dariuch Michovski (Francois Damiens) übernehmen. Der wird angeklagt, weil sein Hund einer Frau (Lorene Furtado) das Gesicht verbissen habe. Deren Verteidigung übernimmt die stramm rechte Lokalpolitikerin und Anwältin Roseline Bruckenheimer (Anna Dorval).

Avrils Verteidigungslinie läuft entlang der Differenzierung zwischen Hund und Sache. Da gibt es anregendes Gedankenmaterial, vieles amüsant. Denn in der bisherigen Rechtssprechung gilt der Hund als Sache. Es wird das Beispiel des Urteils angeführt, dass eine Richterin bei einem Besitzerstreit die Trennung des Hundes in zwei Teile angeordnet habe.

Eine andere Eigenheit bezieht der Film aus dem offensiven Umgang der Figuren miteinander hinsichtlich des Anzüglichen, was politisch stets die Grenzen der Korrektheit auslotet. Nicht nur mit Kollegen, besonders im Umgang mit ihrem 12-jährigen, frühreifen Nachbarsjungen Tom kennen die Gesprächsthemen kaum Grenzen. Ein weiteres, heiteres Einsprengsel ist der Tierpfleger Marc, dem der Hund Cosmos zwischenzeitlich anvertraut wird, und der nicht nur ein Auge für den Hund hat.

Der Prozess, zu dem sich am ersten Tag ein einziger Zuschauer verirrt, macht bald Sensation – so wie es sich für ein kinematographisches Justizdrama prinzipiell gehört. Eher ungewöhnlich dürfte sein, dass in so einem Film ein kurioser Ethikausschuss das Thema Hund und Seele diskutiert.

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