Captain America: Brave New World

Fremdbestimmung

In den Hauptcredits jedenfalls kommt Aldous Huxley mit seinem Buch Brave New World nicht vor, obwohl der Zusatz im Filmtitel genau dem Buchtitel entspricht und obwohl es schon bei Huxley um Manipulation des Menschen geht. Vielleicht hätten die Autoren Rob Edwards, Malcolm Spellman und Dalan Musson nebst den Marvel Comis dem guten alten Huxley auch noch die Reverenz erweisen können.

Aber für Huxley war wohl kein Platz mehr neben den Dutzenden und Dutzenden von Namen allein für Art Department, Makeup Department, Sound Department, Special und Visual Effects, Stunts, Camera und Electrical Department, Animation Department, Costume and Wardrobe Department, Editorial Department, Location Management und und und, es müssen Hunderte von Leuten sein, die an der Herstellung eines solchen Filmes beteiligt sind. Trotzdem wirkt er wie alte Pasta, allenfalls auf neuen Tellern serviert, aufgewärmt und frisch dekoriert.

Das Manipulationsthema ist so neu auch nicht, es ist modifiziert. Die Manipulation fängt erst im Erwachsenenalter an und bleibt im Detail utopisch, ist nicht haarklein nachvollziehbar. Wir sind im Fantasy-Genre, im Superhelden-Genre.

Der geheimnisvolle Buyer (Tim Blake Nelson) kann von seiner versteckten Kommandozentrale aus bestimmte Menschen fernsteuern, dass sie plötzlich Dinge tun, die sie sonst nach Definition und Status ihrer Person nie tun würden.

Bradley (Carl Lumbly) schießt bei einem Empfang plötzlich auf den neuen amerikanischen Präsidenten (Harrison Ford). Eine unerklärliche Tat, die den Schützen ins Gefängnis bringt und seine Schüler Sam (Anthony Mackie) und Joaquin (Danny Ramirez) in Erklärungsnöte. Sie haben das Glück, Superhelden zu sein; sie können sich in fliegende Kampfmaschinen, ja in richtiggehende Waffen, verwandeln; aber das ist ja nun wirklich nicht neu im Marvel-Universum; nur wird es technisch noch raffinierter und noch eine Schraube höher gedreht angeboten im Film von Julius Onah.

Es spielen noch das Wunder-Element Adomontium, das Celestial Island, Japan, die Kirschblüte eine Rolle und deshalb auch der japanische Premier Minister (Takehiro Hira). Die Fremdsteuerung wird den Konflikt zu Japan zusätzlich anheizen.

So ein Film mit so vielen wunderbaren, erfrischenden Schauspielern, einer erstklassigen Ausstattung, überhaupt einer Topperformance mit jeder Menge Stunts, die erfolgreich ein neues Gleichgewicht zwischen Computer-Trick und realer Action suchen, und einer Musik, die das Visuelle geschickt unterfüttert, braucht eine lange Vorlaufzeit, hat eine lange Produktionszeit.

Deshalb konnte auch niemand voraussehen, dass zum Startpunkt des Filmes in Washington D.C., genauer im Weißen Haus, Dinge passieren, die einem ehrenwerten Harrison Ford und seiner ebensolchen Präsidentendarstellung die Haare zu Berge stehen lassen müssen und die zur Frage führen, ob nicht ein Film, der die Gefährdung der Demokratie und nicht nur diejenige des Präsidenten in den Mittelpunkt stellt, der richtigere und wichtigere Film für den heutigen Tag wäre.

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