Wolf Man

Man to Animal

Wenn aus dem Menschen ein Tier wird, eine Bestie, ein Monster, ein Werwolf, ein animalisches Animal, dann sind wir im Horrorgenre angekommen. Dieses lebt davon, dass im Menschen Urängste wabern letztlich vor der Vergänglichkeit, vor dem Zerfall, vor der Rückentwicklung, vor dem Tierischen in ihm, vor dem Verlust des Menschlichen, vor dem Gang ins Vegetieren bis hin zum Tod. Auf diese Ängst setzt sich lustvoll das Horrorgenre drauf, bedient sie oder beutet sie aus.

Der Mechanismus ist immer ganz einfach. Glückliche Menschen. Sie geraten aus irgend einem Grund in eine düstere Einsamkeit. Und plötzlich sind die Monster da, die auch insofern gefährlich sind, als wenn sie beißen, man von ihnen infiziert werden kann.

Der Film von Leigh Whannell,der mit Corbett Tuck auch das Drehbuch geschrieben hat, begibt sich 1995 in die düsteren Waldgebiete von Oregon. Hier schildere er ausgiebig, wie ein Vater, Grady (Sam Jaeger), mit seinem vielleicht 12 jährigen Buben Blake (Zac Chandler) auf Jagd geht.

Das zeichnet das Genre auch aus und macht es faszinierend, dass im Idealfall immer nicht nur mit klarem Scheinwerferlicht gearbeitet wird, sondern dass auch die Figuren als sehr physische, identifizierbare Menschen geschildert werden.

Grady ist der typische Waldmensch, bärtig, nicht allzu sensibel, Knarre um, der Sohn sein gelehriger Schüler, ob auf dem Waldboden oder im Ansitz. Den Hirsch erwischen die beiden nicht, der Bub macht sich selbständig auf die Suche, kriegt Schelte vom Vater und im Hochsitz sieht der Bub eine Bestie.

Der Zuschauer wurde schon per Text im Anspann informiert, dass zu dieser Zeit in den Wäldern von Oregon ein Tramper verschwunden sei, sich vermutlich mit einem Virus angesteckt habe, das ihn zum Werwolf mutieren habe lassen.

Der Film springt 30 Jahre weiter. Blake (jetzt: Christopher Abbott) lebt mit seiner Frau Charlotte (Julia Garner) und seinem Töchterchen Ginger (Matilda Firth) in der Großstadt. Er erhält ein amtliches Schreiben, das seinen verschwundenen Vater für tot erklärt. Der ist seit langem abgängig, vermutlich hat er sich angesteckt.

Auch diese Musterfamilie ist stilisiert prägnant besetzt und geschildert, das Töchterchen dunkelhaarig und schön wie die Mona Lisa, die Mutter mit ihren blonden, wildstrubeligen Haaren, das Gesicht auf bleich und hager geschminkt, der Papa ein Allerweltspapa ohne besonderen Probleme, schön männlich, könnte durchaus für Rasierwasserwerbung eingesetzt werden.

Diese protoypisch glückliche Familie wird aus ihrem prototypisch glücklichen Großstadtalltag herausgerißen, weil dem Todesschreiben auch ein Schlüssel für das Haus von Blakes Vater beigelegt ist. Er will mit Frau und Tochter dieses ausmisten. Tja, und schon sitzen sie in der Horrorfalle und der Zuschauer darf sich auf den Kitzel des Schaudernerves freuen.

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