Die Hausaufgaben gemacht
Nach dem ersten Kundschafter des Friedens hat Robert Thalheim seine Hausaufgaben gemacht.
Diesmal hat er für das Drehbuch einen erfahrenen Kooautor beigezogen, Peer Klehmet. Und siehe da, nicht einmal kommt der Indizsatz für Drehbuchschwäche „Was ist denn hier los?“ vor.
Diesmal scheint die fabelhafte Mannschaft um den Regisseur auch was zu erzählen zu haben, mehr als nur, dass sie Komödie können oder wollen. Diesmal findet die Komödie nicht in irgend einem erfundenen Katschekistan statt, nein, diesmal wird man in der realen Geschichte der DDR fündig, in der Beziehung zum sozialistischen Bruderland Kuba.
Dieser Nexus zur Geschichte wird hervorragend präsentiert mit einer Vermischung aus Schwarz-Weiß-Archiv-Aufnahmen, nur gelegentlich etwas manipuliert und in Verbindung gebracht mit der in die Jahre gekommenen Spionagegruppe von damals, bestehend aus Falk (Henry Hübchen), Tamara (Katharina Thalbach), Locke (Thomas Thieme) und Harry (Winfried Glatzeder).
Der Tod von Fuchs und seine Beerdigung im Berlin von heute bringt die Mannschaft wieder zusammen. Die Tochter des in Kuba verstorbenen Fuchs, Helene, ist auch dabei. Sie kennen sie von früher. Corinna Harfouch spielte diese Frau als herrliche Sozialismus-Zicke. Sie erzählt ihren früheren Kameraden, dass die Kubanerin Carida (Vanessa Montserrat) sie um ihr Erbe gebracht habe.
Es handelt sich dabei um die Thälmann- Insel, die der deutsche Kinofreak schon aus Ernesto’s Land bekannt sein dürfte. Es gibt sie also tatsächlich und die kubanische Jugend soll sie Ernst Thälmann gewidmet haben.
Die Altspione müssen also reaktiviert werden, um für Helene das gefälschte Testament, das bei einem Anwalt in Havanna im Tresor aufbewahrt wird, auszutauschen. Sollte ein Kinderspiel sein, da sie selbst damals die Sicherheitsvorkehrungen eingerichtet haben. Als Gegenleistung verlangen sie von Helene eine Überwinterung in einem exklusiven Touristenresort auf Kuba.
Der Film spielt mit der sozialistischen Vergangenheit, ventiliert sozialistische Gedankengut und den Umgang damit heute als Touristenvergnügen und er platziert die Internationale. Diese einstigen Ideale sind heute verkommen zu Quizsshows oder Gitarrenentertainment durch Pedro (Francisco del Solar), der als Che Guevara in Shorts das Publikum animiert zum Entsetzen der alten Spionagegarde.
Der Forscher und Quizhecht Klaus (Rainer Reiners) sieht sich plötzlich konfrontiert mit Wissen aus erster Quelle von Tamara, die Fidel Castro damals persönlich kennengelernt habe und Dinge über den Commandante wisse, die wir aus Geschichtsbüchern nicht kennen können.
Wenn Robert Thalheim jetzt noch den Mut gehabt hätte, nach dem Kipppunkt, an dem alles verloren scheint, leichtfüßig, zügig und etwas verkürzt zum Schluss zu kommen, wie er anfangs in die Geschichte eingestiegen ist, so könnte deutsche Filmkomödie fast schon zum interessanten Exportartikel der deutschen Filmindustrie werden.