Der Graf von Monte Christo

Kino satt

Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas ist ein nicht umzubringender Literaturklassiker, der ein Unzahl von Verfilmungen erlebt hat. Gerade wirken solche hochaktuell angesichts des Tanzes um Geld und Macht in Washington bei der Zweitinauguration eines Präsidenten, der vor vier Jahren noch gewaltsam sich mit einem Sturm aufs Kapitol an der Macht halten wollte und wie die Geldigen jetzt, die Milliardäre, um diesen skrupellosen Mann herum wie um das goldene Kalb tanzen in der Hoffnung, von seiner Huld profitieren zu können. Man könnte meinen, Dumas habe solches vorausgesehen. Oder man muss deprimiert konstatieren, dass sich in diesem Milieu nichts ändert.

Nebst Oscarpreisträger Bille August, der eben eine Fernsehserie zum Grafen von Monte Christo gedreht hat, sind es hier Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte, die das Drehbuch nach Alexandre Dumas verfasst und auch die Regie geführt haben.

Herausgekommen ist Kino satt. Drei Stunden Genusskino, drei Stunden episches Kino, das so tut, als wolle es als Hochzeitsfilm beginnen. Das geht gründlich daneben, also die Hochzeit und nicht die filmische Erzählung.

Die Exposition ist glasklar. Es ist die Zeit, in der Napoleon 1815 bereits auf der Insel Elba inhaftiert ist und es in Frankreich wilde Auseinandersetzungen zwischen seinen Anhängern und Gegnern gibt, die Atmosphäre ist vergiftet und der kleinste Verdacht kann zur schnellen Kapitalstrafe führen.

Für unseren Protagonisten Edmond Dantés (Pierre Niney) endet das übel. Er kehrt als Held von einer Seefahrt zurück, wird eben für seine Heldentat, die Rettung einer jungen Frau, Angèle (Adéle Simphal), aus dem Meer zum Kapitän befördert. Das bedeutet für ihn gesellschaftlichen Aufstieg und die Hochzeit mit Mercédès (Anais Demoustier).

Doch dem Staatsanwalt Fernand de Morcef (Bastine Bouillon) liegen Hinweise auf einen Verrat vor. Dieser ergibt sich, da in Edmonds Bibel ein royalistischer Brief gefunden wird. Den kann nur Angèle dort reingetan haben. Vertrauen futsch.

Edmond landet für Jahre im Kerker in einem ganz scheusslichen Gefängnis auf einer kleinen der Küste vorgeschobenen Insel. Ein richtiges Verlies. Hier am Tiefpunkt für Edmond setzt der Abenteuerfaktor ein, der auch ein Verzweiflungsfaktor ist. Eine Fluchtkooperation mit seinem Verliesnachbarn Abbé Faria (Pierfrancesco Favino) bereitet nicht nur die Befreiung vor, sondern legt den Grundstock für die Legende und den Zugriff auf den Reichtum des Grafen von Monte Christo. Dazu muss die Geschichte ihre Leinen weit ins Mittelalter auswerfen zu den Kreuzrittern, dazu muss Edmond eine kaum zu findende Gruft aufsuchen und schwups taucht er als superreicher Graf – ja so wie diejenigen, die jetzt um den neuen amerikanischen Präsidenten ihren Reigen veranstalten – in den besten Pariser Kreisen auf.

Als Graf von Monte Christo trägt Edmond eine Maske. Er übt das Falschspiel mit einigen wenigen Eingeweihten, er kreist seine Opfer ein und ködert sie an ihrer Gier. Er spielt den Schurken den noch größeren Schurken vor; nur daran glauben sie, nur davor haben sie Respekt. Er betreibt das Schurkenspiel der Gerechtigkeit wegen.

Das ist allemal ein Spektakel, wenn Menschen andere Menschen gezielt mit deren eigenen, miesen Mitteln reinlegen, wenn sie ein eingübt falsches Spiel spielen, was sich hochschaukelt, was mit den Gefühlen und vor allem der Gier und der Hybris der Menschen spielt, sie daran trietzt und vor allem, wenn die Schurken zur Kasse gebeten werden. Spiele der Halunken untereinander. Es ist wie ein Kasperlspiel, aber auf dem etwas raffinierteren, nicht so leicht durchschaubaren Niveau, erwachsener, zivilierter Menschen und deren Übergewichtung des Ökonomischen. Da schaut man gerne zu, denkt sich sein Teil und kann gerne alles auf das Heute übertragen.

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