Raub ihren Atem

So tickt HNYWOOD

Der Name der Produktionsfirma dieses Filmes gibt ganz klar die Orientierung an Hollywood vor, man sitzt zwar in Heilbronn, Heilbronnywood, aber man scheut sich nicht, es den Großen gleich tun zu wollen, sich zu orientieren an Hollywoods Traumfabrik, wie diese Agententhriller herstellt, wenn auch weit entfernt von deren Budgets.

Man greift zu anderen Mitteln der Unterscheidung, zum Dialekt als gestalterischem Mittel. Man beruft sich auf die großen Dichter der eigenen Herkunft, auf Schiller im Schwabenland und auf Lessing in Sachsen. Dementsprechend werden die beiden Dialekte eingesetzt.

Im Kino ist Dialekt nie ein Nachteil, im Gegenteil, wenn auch Münchner Ohren den einen oder anderen Verständnisverlust dafür in Kauf nehmen müssen, aber lieber so und lebendig („wie mir wirklich sind“) statt steril.

Heilbronn, genauer gesagt: Andreas Kröneck, der Autor und Regisseur dieses Filmes, hat seine Vorbilder studiert. Die Hauptelemente sind da: ein Liste, verdeckte Ermittler, der Besitzer der Liste und eine weitere Gruppe, die sich dafür interessiert. Steuerung der einen Gruppe von Italien aus. Der Streit um die Liste kondensiert sich in einem Hotel. Hier wird beobachtet, fotografiert, heimlich kommuniziert, aber auch angebandelt, Agentenatmosphäre pur und das Menschliche wird nicht wegradiert. Es gibt auch Raum für Liebe, eine lesbische, für Zweifel, Selbstreflexion, gar für einen lethalen Hirntumor eines der Beteiligten.

Das größte Manko ist das Buch, das es nicht schafft, den Normalbürger an einem seiner Interessen von Anfang an abzuholen und mitzunehmen durch die Geschichte. Alles andere (Dialoge, Genrechiffren, Bilder, Montage, Ausstattung, musikalische Untermalung, Atmosphäre, Cast, Schauspielerführung, Sex) ist fabelhaft und zeigt, dass es heute keine Provinz mehr gibt, dass man in Heilbronn so aufregende Filme machen kann wie irgendwo anders auf der Welt. Und mit der musikalischen Aufmotzung und Akzentuierung sowieso.

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