Wicked

Zur Toleranz erziehen?

Vielleicht will dieser Film, der die Hollywood-Fundi an Kostümen, Requisiten, Haarteilen, Ausstattung offenbar nach der Maßgabe einer Parade des maximal Geschmacklosen geplündert zu haben scheint, mit pausenlosem Märchen- Musical- und Tanzklamauk zur Toleranz erziehen.

Denn ausgerechnet die Figur, die anfangs als getötet bejubelt wird, Elphaba (Cynthia Erivo), die Figur, die von Geburt an und von Haut aus grün ist, die soll unsere Sympathie gewinnen. Ein moralisch gewagtes Unternehmen.

Die sie als Hexe denunziert, Galina (Arian Grande), ist ein Hollywood-Püppchen wie aus dem Kitschlehrbuch. Wer andere als teuflisch bezeichnet, steht moralisch erst mal einwandfrei da – und auf dessen Seite sind wir normalerweise. Nichts ist leichter als darin recht zu haben, andere als böse zu beschreiben.

Elphaba ist die einzige, die sich einsetzt für den Professor, der als Ziege an der Glizz-Uni lehrt. Sie zeigt Zivilcourage. Sie zeigt Mitgefühl. Und solches soll der Zuschauer an ihr tun. Sie ist die extreme Außenseiterin, die Tochter eines Gouverneurs. Ihre Schwester ist farblich weiß, aber sitzt behindert in einem Rollstuhl.

Das Verhältnis der Denunziantin Gelinda zu Elphaba wird in einer den Film füllenden Rückblende erzählt. Der Film soll mit seinem knapp drei Stunden Laufzeit erst der erste Teil sein soll. Nachdem Gelinda den Tod der Hexe verkündet hat, gibt es Q & A mit den Studenten, die wissen wollen, ob sie die Verfemte gekannt hatte. Erst will sie nicht so richtig mit der Wahrheit rausrücken, dann aber legt der Film los mit ihrer Geschichte, wie die beiden sich im Internat der Uni ein Zimmer teilen mussten und sich so kennenlernten.

Die Regie führt Jon M. Chu. Der ist mit dem Film Crazy Rich Asians aufgefallen, mit dem er sein Potential offenbar bereits ausgeschöpft zu haben scheint (Drehbuch: Winnie Holzman, Dana Fox und Gregory Maguire). Er führt den Chor miserabel, der den Eindruck vermittelt, ein jeder solle so exaltiert spielen wie möglich. Der Chor wirkt affig. Die abgestandenen Tanz-Choreographien kommen vor lauter Bühnenhaftigkeit wie in Holzschuhen daher.

Der Sound und die Songs könnten aus irgendwelchen Reservekanistern besorgt worden sein.

Ein Märchenprinz wird eingeführt (Jonathan Bailey); die Love-Story zwischen den rivalisierenden Frauen Elphaba und Galinda bleibt rudimentär. Die deutsche Synchro ist eine voll deodorierte Sterilsynchro. Das Zauberbuch heißt Grimmerich – Hinweis auf die Verhunzung Grimmscher Märchensubstanz?

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