Krankheitsbild Feminismus
Es gibt einen französischen Roman desselben Titels wie der Film, Les Hommes protégés von Robert Merle von 1974.
1976 erschien der Roman auf Deutsch in der Übersetzung von Anna Mudry. 2024 kommt die deutsche Verfilmung von Irene von Alberti (Der lange Sommer der Theorie) ins Kino. Sie hat das Drehbuch geschrieben. Im Abspann gibt es noch zwei Positionen einer Drehbuchberatung oder -mitarbeit, bei IMDb stehen als Script-Berater Petra Lüschow und Sabine Steyer-Violet. Außerdem im Abspann: drei Fernsehredakteure. Also jede Menge Leute, die da wohl am Drehbuch mitgefuhrwerkt haben. Das sieht man dem Resultat an.
Ist es das Krankheitsbild eines beleidigten Feminismus oder die Dokumentation eines leidenden Feminismus?
Dabei bekommt der Film durch die politischen Entwicklungen in Berlin ungeahnte Aktualität, denn der Film spielt kurz vor Bundestagswahlen. Ein merkwürdiges Virus macht sich im Land breit, das befällt nur Männer und unter ihnen vor allem welche in führenden Positionen. Sie werden richtig rallig, es wachsen ihnen urplötzlich überall Haare, sie begrapschen schamlos Frauen, bekommen Krämpfe und fallen tot um.
Das Phänomen kommt der herrschenden Politik ungelegen. Sie möchte es vor der Öffentlichkeit verschweigen. Die Pharmaindustrie arbeitet fieberhaft an der Entwicklung eines Impfstoffes. Den Kanzler ereilt das Virus und dessen Schicksal.
Somit wird es öffentlich. Da Frauen nicht gefährdet sind, übernimmt die feministische Partei kurzerhand die Regierung, empfiehlt den Männern die Ablation des Geschlechtsteils.
Sarah Bedford (Marvie Hörbier) ist Kanzlerin, Anita Martinelli (Britta Hammelstein) ihr Vize oder was auch immer. Schade ist, dass Irene von Alberti nicht im Ansatz irgend eine Glaubwürdigkeit herzustellen versucht, so entzieht sie der Parodie oder der Satire den Boden. So wirkt die Chose bierernst, verkrampft, ressentimenthaft.
Der Eindruck eines gestörten Feminismus wird noch unterstrichen durch den männlichen Cast, bei dem offenbar konsequent auf Waschlappenhaftigkeit geachtet wurde. Während in der Darstellung der Frauen kein Wert auf glaubwürdige Darstellung von Politikerinnen gelegt worden ist, vielmehr allenfalls auf Frisuren, die beim Abgleich mit lebenden Mustern mindestens eine große Ähnlichkeit haben mögen, sonst aber scheint es nur um modischen Schick und Schnieck, um das Modepüppchenhafte zu gehen.
Beim Nacherzählen fällt einem auf, dass die Ideen des Orignalbuches doch recht originell sein dürften. Das überträgt sich aber so nicht beim Schauen des Filmes. Hier vermittelt sich das Gefühl eines jammrigen, sich hilflos gebenden Feminismus, der zu verstehen gibt, dass er unterm Frausein leidet und ihm sowohl die Distanz dazu fehlt als auch die Mittel, diesem Leiden zu begegnen. Vielleicht hat sich dieser Feminismus erhofft, mit diesem Buch ein Heilmittel gefunden zu haben.
Kompensatorisch scheint der Film enorm viel Wert auf das Kostüm, auf die Schlagwörter auf den T-Shirts, auf elegante Innenräume gelegt zu haben. In dieser Hinsicht dürfte der Konsument wiederum bessser aufgehoben sein bei einer Frauenzeitschrift. Fast möchte man von einem gekränkten Feminismus sprechen, der sich hier im Film ständig sich verhaspelnd präsentiert.