Black Dog – Weggefährten

Die Wüste als große Bühne

China 2008 kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, von denen sich China Propaganda und weltweite Anerkennung verspricht.

Doch die Show spielt nicht in Peking, die Show spielt in diesem Film von Guan Hu, der mit Rui Ge auch das Drehbuch geschrieben hat, in der Wüste Gobi beim heruntergekommenen Provinzort Chixia. Das tut sich Außerordentliches.

Ein Bus fährt über die Piste. Ein Horde wilder Hunde überrennt ihn. Drama um den umgekippten Bus, immer mehr Menschen kriechen aus ihm heraus. Einer schreit, er sei bestohlen worden. Die Polizei kommt. Sie stellt fest, dass Passagier Lang (Eddie Peng) ein vorzeitig entlassener Gefangener ist. Der hält sich abseits der aufgeregten Menschen. Ihm wird dieser Film, der entfernt an den italienischen Neorealismo erinnert, folgen.

Lang kehrt zurück in seinen Ort. Er ist teils bekannt, teils berüchtigt. Er war in einen Mordfall verwickelt. Sein Vater ist sehr krank.

Der Regisseur widmet den Film seinem Vater.

Was macht ein entlassener Strafgefangener in Chixia, das dahinzuserbeln scheint und unter einer Hundeplage leidet? Er versucht sich nützlich zu machen. Ein schwarzer Windhund gilt als besonders gefährlich, weil der die Tollwut habe. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung ausgesetzt. So kommen Hund und Außenseiter-Mann zusammen.

Das wird eine Geschichte, die momentweise an Lassie erinnert, zumindest in der Szene, in der der Hund seinem in einen Kampf verwickelten Herrchen zu Hilfe eilt, oder auch wenn Hund und Herrchen auf Motorrad mit Beiwagen durch die Wüste brausen.

In Chixia ist nicht viel. Ein leerstehendes Theater, eine Verwaltung, ein Schlachter, der auf Schlangenzucht umgestellt hat, ein verlotternder Zoo mit keinem Wolf mehr, aber der Tiger ist noch da.

Es gibt Angriffe auf den Rückkehrer, aber er versucht auch, sich zu integrieren, die Hundejagd mitzumachen. Denn die umherstreifenden Hunde sollen eingefangen werden, damit die Stadt attraktiv für Investoren wird. Bewohner sollen umgesiedelt werden, ihre Häuser eingerissen und moderne Industrien angesiedelt.

Lang ist kein begeisterter Hundefänger, er schenkt einem Mädchen seinen eingefangenen Hund wieder. Mit dem Schwarzen Hund freundet er sich trotz Bisses an. Die Tollwut verschwindet. Ein Zirkus gastiert im Ort. Warum tut sich Lang so schwer mit der Reintegration, woher stammt seine Wut? Er war mal bekannt als Rockstar und Motorrad-Stuntmen. Er ist der Typ in sich gekehrter Held, er ist nicht der Rebell, kann sich aber nicht immer beherrschen, er ist auch ein Easy Rider durch die Wüste. Er ist ein Filmheld ohne Heldentaten. Er ist ein Mensch, der sich am ehesten in einem Hund wiedersieht.

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