Konklave

Schöne Flunkerei

Vor über zehn Jahren beglückte uns Nanni Moretti mit dem Konklave-Film Habemus Papam – Ein Papst büxt aus. Der Film ist Moretti-Point-of-View, also kritisch.

Jetzt legt der x-fache Oscarpreisträger Edward Berger (für die sehr ernsthafte Angelegenheit Im Westen Nichts Neues) auf einer anderen Ebene der Ernsthaftigkeit nach. Diese richtet sich wohl nach dem Ton im Roman von Robert Harris, der als Vorlage für das Drehbuch von Peter Straughan funigerte.

Das ist eine schöne Fantasie, wie so ein erfundenes Konklave ablaufen könnte und man kommt zum Schluss, schade, dass es nur eine Fantasie ist, zu schön um wahr zu sein.

So viel darf gespoilert werden, es wird zum weißen Rauch aus dem Vatikan kommen, die über 100 Kardinäle werden sich nach dramatischen Vorgängen hinter den Kulissen einigen.

Im ersten Moment denkt man noch, hm, ein Themenfilm zu diesem kirchlichen Prozedere, was soll daran interessant sein. Dass es interessant ist, dafür dürfte in erster Linie die Romanvorlage, dann das Drehbuch und nicht minder die Regie verantwortlich sein.

Dass die Sache nicht mit heiligem Ernst betrieben wird, dafür sorgt Edward Berger schon mit einigen ganz profanen Details wie dem Blick auf einen Haufen Zigarettenstummel auf einem Vorplatz der Sixtinischen Kapelle, in der die stimmberechtigten Kardinäle eingeschlossen sein werden oder die Probleme, die ein in Plastik verpacktes Kosmetikset, das in den Gästezimmern der Konklave-Kardinäle bereitliegt, beim Öffnen bereitet.

Oder wie Berger Ausschnitte aus den prächtigen Gemälden der Kapelle zwischen den Ernst der Beratungen und Abstimmungen schneidet, das ist nicht ohne freundliche Zuneigung, aber ganz ohne heiligen Ernst.

Dekan Lawrence (Ralph Fiennes) ist die zentrale Figur, der nicht nur das Konklave leitet und entsprechend den Film trägt und das Interesse bündelt, von ihm ist auch nicht so ganz klar, ob er selbst nicht auch Ambitionen hat.

Dann ist sein engster Mitarbeiter, Aldo Bellini (Stanley Tucci); hm, bei keinem einzigen der Kardinäle kann ausgeschlossen werden, dass er ohne Ambition sei.

Heftige Gegnerschaft ensteht um die Kandidatur von Tremblay (John Lithgow), aber auch Tedesco (Sergio Castellitto), ein Schelm, wer hier nicht an einen deutschen Papst denkt im Hinblick auf die kirchlichen Vorstellungen, die er vertritt.

Es taucht in der Sedisvakanz auch ein total geheimer Kardinal auf. Von dem wusste lediglich der Papst, dass es ihn überhaupt gibt, den hatte keiner auf dem Schirm, ist ja auch eine Kuriosität, ein Kardinal aus Kabul, zudem mexikanischen Ursprungs, Benitez (Carlos Diehz); hat aber alles seine kirchenjuristische Richtigkeit.

Exotisch wirkt auf den ersten Blick auch Adeyemi (Lucian Msamati), ein afrikanischer Papst, wäre das denkbar? Gut ins Bild rückt die Regie Schwester Agnes (Isabella Rossellini), so jedenfalls, dass klar ist, dass sie auf ihre Weise mitmischen wird.

Edward Berger inszeniert schwungvoll, mit schnellen Schnitten, ohne Erklärungen. Gerne lässt er die Kamera die Räume aus Perspektiven aufnehmen, die der Horrorfilm liebt, alles andere als Guckkastenbühne.

Momentweise denkt man an die Selbstcharakterisierung des Polonius im Hamlet von Shakespeare (wenn ich das recht erinnere): er könne eine langweilige Geschichte spannend erzählen. In diesem Film wirken Vatikan und Katholizismus so frisch wie am ersten Tag; man würde fast von Schönfärberei sprechen können.

Hinzu bebildert der Film auch einen demokratischen Vorgang und was dafür an Drahtziehereien stattfinden. Manchmal tut sich auch nachts so einiges in den Fluren des Gästeshauses wie im Landschulheim. Und ein thematisch-theologisch wichtiges Thema, was pointiert debattiert wird: Anderssein, Gewissheit und Glaube.

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