Nehmen, was kommt,
das scheint die Haltung der zwei jungen Protagonistinnen Arikia und Gesa; diese sorglos-jungendliche Einstellung scheint sich der Dokumentarfilmer Dieter Schumann (fernsehredaktionell betreut von Timo Grosspietsch vom NDR) zu eigen gemacht zu haben als Maxime bei seinen Streifzügen oder Ausflügen nach Parchim. Und wenn einer die Augen offen hat, so kann die Ausbeute doch recht ergiebig werden.
Da sind zwei Schauspielanfängerinnen aus Hamburg, die mangels Jobs sich an das Landestheater Parchim engagieren lassen und mit ihren 2100 brutto so viel Geld mit ihrem Traumberuf verdienen wie nie.
Da ist der Requisiteur, der viel mehr ist als Requisiteur ist, der original aus Parchim stammt, dem das Theater das Ein und Alles ist und der fiebernd verfolgt, ob und wie der Theaterneubau zustande kommt, der aber auch Musik auf der Bühne macht.
Da ist ein Intendant am eleganten Schreibtisch mit Blick auf den Platz vor dem Theater, der die NPD mit ihrem Infostand direkt vorm alten Theater nicht noch aufwerten will mit einer Gegenaktion.
Da ist der noch junge Schauspieler, der schon ein paar Jahre im Ensemble ist und die Allüren eines gestandenen Provinzmimen entwickelt.
Es gibt Ausschnitte aus Proben, aus Vorbesprechungen, es gibt eine Führung durch das Theater für die neuen Ensemble-Mitglieder. Es gibt auch künstlerischen Frust bei einer der Protagonistinnen, die sich auf die Ersatzbank gesetzt fühlt. Die Covid-Pandemie mit ihren Lockdown trifft und unterbricht wohl die Dreharbeiten.
Der Film begleitet seine beiden Protagonistinnen auch auf einen Heimaturlaub nach Hamburg. Da sind distanziertere und gleichzeitig persönlichere Gespräche möglich. Parchim wiederum ist gut für Impressionen aus der kleinen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Und bei alle dem hatte Regisseur Dieter Schumann die Geduld, die Eröffnung der neuen Parchimer Kulturmühle und des Mecklenburgischen Staatstheaters, wie es inzwischen offenbar heißt, abzuwarten und davon noch Impressionen für seinen Film einzufangen.