Münter & Kandinsky

Hier zeigt das deutsche Kino, wie verdammt süffig es sein kann, wenn es sich nicht zu schön ist, eine einfache Geschichte schön und doch keinesfalls flach zu erzählen.

Es ist das Biopic der Malerin Gabriele Münter, während der im Titel gleichwertig erwähnte Kandinsky erst Lehrer, dann Geliebter, dann ewiger Geliebter und nie Geheirateter war. Er war, wie die beiden sich kurz nach 1900 kennenlernten. längst mit einer Cousine verheiratet. Das wird das ewige Problem in dieser Beziehung sein, dass er sich erst nicht scheiden lassen und dann doch nicht heiraten will und schließlich eine andere heiratet und mit der sogar ein Kind hat, während er von Gabriele Münter, die er 1916 in Stockholm zuletzt trifft, nichts mehr wissen will.

Der Film von Marcus O. Rosenmüller nach dem Drehbuch von Alice Brauner ist ganz auf der Seite der Protagonistin, kongenial von Vanessa Loibl dargestellt, in allen Lebensaltern glaubwürdig.

Erst eine junge, selbstbewusste Frau, die mit den richtigen Leuten in Kontakt kommt, die aufhört, wenn sie merkt, an einer Kunstschule lernt sie nichts. Die dann auf den schon bekannten Russen Kandinsky (Vladimir Burlakov) trifft.

Es muss wohl, wie der Film es darstellt, Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, wie sie zu spät in der Aktklasse des Malers eintrifft.

Die Namen Marcus O. Rosenmüller und Alice Brauner tauchen schon mal zusammen in den Credits von Crescendo – Make Music not War auf. Auch dort geht es um Kunst.

Hier ist es einerseits eine Liebesgeschichte wie eine Rom-Com, die andererseits durchdrungen ist von Gesprächen über Kunst, von Impressionen von Kunstschulen, von Murnau, von Idyllen aus dem hier sensationell fotografierten 5-Seen-Land um Murnau.

Es gilt den Kamermann Namche Okon zu erwähnen, der meisterliches Footage für einen Schnitt von enormem Sog bereitstellte mit einer sanft-einfühlsamen Kamera, der Landschaften auf die Leinwand zaubert, die immer auch die Sicht der Blauen Reiter ermöglichen, soufflieren.

Die Geschichte von Gabriele Münter erzählen, heißt natürlich die Geschichte des Blauen Reiters erzählen. Aber sie geht darüber hinaus, sie beruft sich auf bekanntes biographisches Material, gibt aber auch zu verstehen, dass fiktionale Szenen hinzugefügt worden sind.

Vielleicht hätte vom Moment an, wo Kandinsky aus dem Leben von Münter verschwindet, dem ersten Weltkrieg, die Geschichte etwas geraffter erzählt werden können. Da gibt es Momente, in Stockholm und Kopenhagen, die mehr illustrativ sind, die keine neuen Entwicklungen mehr in Gang setzen oder auch die Todesnachricht von Franz Marc, die ja direkt kaum Einfluss auf persönliche Entwicklung und künstlerischen Prozess der Malerin gehabt haben dürfte. Der wird dafür im weiteren Verlauf zugunsten der nicht mehr in Gang kommenden Beziehung zu Kandinsky vernachlässigt.

Gabriele Münter erscheint als eine starke Frau, ihre Bilder belegen, dass sie eine Persönlicheit von Künstlerin war. Kandinsky dagegen ist doch eher ein schwacher Charakter; auf diesen wiederum wird im Drehbuch mehr Gewicht gelegt als auf sein künstlerisches Werk.

Ein Bravourstück liefert der Film mit der kinematographischen Illustration von Begriffen wie Hyperkonnektivität oder Synästhetik anhand eines Salonkonzertes von Schönberg. Wie überhaupt den ganzen Gewerken und dem Team dieses Filmes eine hohe Kunstaffinität attestiert werden kann.

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