Urgewald – Auf den Spuren des Geldes

Ein Kampagnenfilm
im zweifachen Sinne

Der Film von Karin und Peter Wejdling unter Redaktion von Andrea Soth, Agnes Dieckmann, Heffa Schücking und Klara Butz ist einerseits selbst Kampagne, indem er andererseits die Kampagnenorganisatorin urgewald vorstellt.

Er ist selbst Kampagne, als er die NGO urgewald bekannter machen will, als er aufklären will über Geschichte, Aktivitäten und Ziele dieser erfolgreichen Nicht-Regierungs-Organisation, die in 30 Jahren sich einen Namen gemacht hat, die Preise erhalten hat, die von den Investment-Fonds und Regierungen ernst genommen wird in ihrem Ansinnen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Dokumentationen sind immer dann am besten, wenn sie eine spannende Geschichte zu erzählen haben und meist am dämlichsten, je mehr Talking Heads darin vorkommen. Die Geschichte von urgewald ist ereignisreich, faszinierend und lange noch nicht zu Ende.

Die dominierende Figur in dieser Geschichte ist Heffa Schücking. Sie erzählt, wie alles angefangen hat, wie sie dazu gekommen ist, sich im Hinblick auf eine bessere Welt zu engagieren, sich die Finanzströme vorzunehmen, die alle Arten von Projekten finanzieren. Wenn man also Projekte verhindern oder stoppen will, die schädlich sind, weil sie Natur zerstören, den Kohleabbau forcieren, dann muss man an die Geldströme ran.

Den Anlass für die Beschäftigung mit dem Thema lieferte unter anderem die Atomkatastrophe von Tschernobyl. So etwas sollte nicht nochmal vorkommen. Die Auswirkungen waren ja bis zu uns zu spüren. Das führte zur Gründung von urgewald. Deren Politik war von Anfang an, die Geldströme zu untersuchen, die umweltzerstörerische Projekte fördern, Datenbanken zu solchen Geldströmen anzulegen und dann Kampagnen zu führen.

Diese Kampagnen beziehen ihre Stärke daraus, dass sie als Augenöffner geplant sind, indem sie die Zusammenhänge zwischen Investment und den Folgen für die Natur offenlegen, begreiflich machen. Wissen ist alles. Wissen ist ein starkes Argument.

Damit und mit Beharrlicheit erreichte die NGO, die bald auch mit anderen Organisationen zusammenarbeitet, erste erstaunliche Erfolge beginnend mit dem Stop eines indischen Staudammprojektes genau so wie dem Stop des Baus eines hochriskanten AKWs in Bulgarien.

Es scheint, dass wenn dem Menschen die Folgen seines Handelns bewusst gemacht werden, dass er dann lernfähig ist, dass er Investitionen aus Industrien, die den Kohleabbau weiter fördern, zurückzieht.

Das ist das Geheimnis dieser NGO, und sie stellt es plausibel dar hier im Film, Entscheidern, sei es die Weltbank, seien es große Banken oder Energiebetriebe, seien es Investmentfonds wie der staatliche norwegische Pensionsfonds, die ja inzwischen alle auf ethische Investitionen achten, die Folgen ihres Handelns bewusst zu machen.

Solche Einsichten vorgetragen bei Aktionärsversammlugen haben auch dort schon das Abstimmungsverhalten beeinflusst. Inzwischen hat die NGO sogar eine Finance-Campaign-School gegründet.

In totalitären Staaten allerdings sind solche NGOs gar nicht gern gesehen. Gruppen in solchen Ländern zu unterstützen fordert viel Fingerspitzengefühl, um sie nicht zu gefährden.

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