In Liebe, Eure Hilde

Veredelt im Atmosphärischen

Voller Menschenliebe vertüdelt sich Andreas Dresden wie nie und mit wunderbaren Schauspielern im Atmosphärischen.

Das verdeckt recht gut die enormen Schwächen des Drehbuches von Laila Stieler. Es ist ein Film ohne Rahmen und der es schafft über eine weite Strecke offen zu lassen, ob er nun in der DDR oder im Dritten Reich spielt, dabei aber eine bildlich fesselnde Kompaktheit an den Tag legt, so richtig grobkörnig museal, eine Welt aus lauter hübschen Miniaturen: junge Menschen, die am See campieren, die schwimmen, Menschen, die in einem diffusen Untergrund agieren, Texte auf Plakatwände kleben, geheime Koffer transportieren, Menschen, die sich in Gartenlauben einrichten, die am Lagerfeuer Lieder singen, Menschen, die Liebe machen und die aus diskreten Koffern Morsegeräte zaubern, mit denen sie Funktexte absetzen.

Ein Hauch von Jugendabenteuerlichkeit liegt über dem Film, vielleicht auch romantisierend dargestellt, ja direkt mit einer Prise Nostalgie am Rande der Verklärung, so liebevoll historisch rekonstruiert wirkt die Ausstattung.

Der Film bringt einem die Protagonistin, Liv Lisa Fries als Hilde Coppi, an die zwei Stunden sympathieerweckend nahe, um sie anschließend unter die Guillotine zu schicken, hm.

Mitleiderregend kommt hinzu, dass Hilde kurz zuvor ein Knäblein das Licht der erblicken ließ. Da war sie allerdings schon im auch sehr human dargestellten Gefängnis.

Erschwerend kommt hinzu diese TV-affine Rückblenden-Verzopferzählweise. Nach der Köpfung sie tanzen zu lassen beispielsweise. Ob da der Film einen Rückzieher vor sich selbst macht?

Ein Film, der sicher nicht in einem allfälligen Kanon von Holocaust-Aufarbeitungsfilmen landen dürfte wie The Zone of Interest oder Die Ermittlung. Ein Kollege meinte, das sei ein Film, den er wohl sehr bald vergessen dürfte.

Was niemanden, der Betroffenheitsbedarf hat, daran hindern soll, den Film zu schauen. Der politisch historische Rahmen begnügt sich mit Erdebeerenpflücken im Gärtchen einer nicht näher lokalisierbaren Datsche. Da Deutsch gesprochen wird, ist von Deutschland auszugehen. Das wars mit der Rahmeninfo. Und schon wird die frische Erdbeeren kostende Protagonistin von Herren, die aussehen wie zivile Beamte, freundlichst gebeten, mitzukommen und vielleicht auch etwas Warmes einzupacken, da man nicht wisse, wie lange es dauert.

Wer sich mit Autos auskennt, der könnte hier vielleicht bei genauem Hinsehen einen Hinweis auf die Zeit bekommen. Aber der Wagen, der die Herren herfährt, bleibt im Hintergrund.

Die Haltung des Filmes ist ernst, für Betrachtungsdistanz bleibt kein Raum, als ob der Film an sich selbst glaube und sich für wichtig halte.

Ein auffälliges Augenmerk widmet der Film der Geburt im Knast, der Geburtsstation, dem Problem der Protagonistin, dass sie keine Milch geben kann. In den schönsten Momenten des Filmes drängt sich durchaus die Idee auf, es könnte sich um ein Ciné-Bijoux handeln.

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